Angst vor der Sprühflasche oder dem Wasserschlauch?

So gewöhnst Du Dein Pferd entspannt an Fliegenspray & Co.

Gerade im Sommer gehören sie zum Stallalltag einfach dazu: Fliegensprays, Mähnensprays oder auch der Wasserschlauch. Doch für viele Pferde sind diese Dinge absolut gruselig. Sie machen zischende Geräusche und „springen“ das Pferd quasi mit feuchtem Inhalt an. Im Sommer lässt sich zwar oft noch auf Fliegenschutz-Gele oder -Pasten zum Auftragen ausweichen. Spätestens aber, wenn eine Wunde dringend mit Blau- oder Silberspray desinfiziert werden muss, gibt es kaum noch Alternativen.

Deshalb ist es sinnvoll, Deinem Pferd von Anfang an zu zeigen, dass Sprays etwas völlig Normales und absolut Ungefährliches sind. Ein paar Wochen konsequentes Training zahlen sich aus – und ersparen Dir und Deinem Pferd jahrelangen Stress bei jedem Einsprühen.

Die Methode:
Desensibilisierung durch Annäherung und Rückzug

Bewährt hat sich beim Training mit der Sprühflasche die Methode von Annäherung und Rückzug (englisch: Approach and Retreat). Das Geheimnis dabei? Du musst die Körpersprache Deines Pferdes extrem genau im Auge behalten. Sobald es sich entspannt (z. B. durch Abkauen, Seufzen oder Kopfsenken), kannst Du einen Schritt weitergehen. Zeigt es Angst, friert ein oder wird panisch, gehst Du sofort einen Schritt im Training zurück.

So gehst Du Schritt für Schritt vor:

Schritt 1: Das Geräusch kennenlernen

Stelle Dich zunächst mit dem Rücken oder seitlich zu Deinem Pferd. Wichtig: Dein Pferd sollte eher schräg hinter Dir stehen und nicht direkt in Deinem Rücken – reine Vorsichtsmaßnahme, damit es Dir im Fall der Fälle nicht vor Schreck hinten reinspringt. Sprühe nun erst einmal weit von Deinem Pferd weg einfach in die Luft. So fühlt es sich nicht direkt bedroht und kann sich ganz in Ruhe an das zischende Geräusch und den Sprühnebel gewöhnen. Lass Dein Pferd die Flasche (ohne zu sprühen) auch gerne ausgiebig beschnuppern. Wer neugierig sein darf, verliert schneller die Angst! Tipp: Fülle die Sprühflasche für das Training zunächst nur mit Wasser. Erst wenn Dein Pferd entspannt bleibt, kommt das eigentliche Fliegenspray zum Einsatz.

Schritt 2: Die Richtung annähern

Hat Dein Pferd die erste Scheu vor dem Geräusch verloren? Dann kannst Du langsam anfangen, in die ungefähre Richtung Deines Pferdes zu sprühen. Aber Achtung: Sprühe es jetzt noch nicht direkt an! Ziele erst einmal bewusst seitlich an ihm vorbei oder weit über seinen Rücken hinweg. Dein Pferd soll Schritt für Schritt Vertrauen aufbauen und sich nicht direkt beim ersten Annäherungsversuch überrumpelt fühlen.

Schritt 3: Der erste vorsichtige Körperkontakt

Klappt das Sprühen in die richtige Richtung komplett entspannt? Dann ist es Zeit für den ersten echten Kontakt. Suche Dir dafür eine Körperstelle aus, an der Dein Pferd ohnehin eher unempfindlich ist. Gut geeignet sind zum Beispiel die Vorderhufe und die Röhrbeine. Sprühe hier ganz vorsichtig und nur ganz kurz.

Schritt 4: Den Radius erweitern

Sobald Dein Pferd das Einsprühen an dieser ersten Stelle gelassen akzeptiert, kannst Du Dich von dort aus Zentimeter für Zentimeter weiter vorarbeiten. Gehe dabei immer nur so weit, wie Dein Pferd wirklich cool bleibt. Fängt es an, sich zu verspannen oder nervös zu werden? Dann unterbrich sofort, geh einen Schritt zurück zu der Stelle, die schon gut geklappt hat, und beende die Übung dort mit einem positiven Gefühl. Bei der nächsten Trainingseinheit ist genau dieser Punkt Dein neuer Ausgangspunkt.

Fazit: Timing und Geduld sind alles

Achte beim Üben auf jede Nuance in der Reaktion Deines Pferdes. Entscheidend ist, dass es bei jedem einzelnen Teilschritt entspannt bleibt. Gehst Du zu schnell vor und übergehst seine Angst, verliert es das Vertrauen in die Übung – und Du riskierst, wieder ganz von vorne anfangen zu müssen.

Nach demselben Prinzip gewöhnst Du Dein Pferd auch an den Wasserschlauch: Beginne mit einem schwachen Strahl an den Hufen und arbeite Dich langsam an den Beinen nach oben vor. Mit etwas Geduld lässt sich die Sprühflasche schon bald ganz stressfrei im Alltag nutzen – und im Notfall kann eine Wunde ohne Kampf versorgt werden.

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