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6 einfache Bodenarbeits-Übungen für Anfänger
Bodenarbeit ist einfach großartig! Sie stärkt das Vertrauen zwischen Dir und Deinem Pferd, ist eine ideale Möglichkeit zur abwechslungsreichen Gymnastizierung und bereitet knifflige Lektionen perfekt für das spätere Reiten vor.
Doch wie fängt man als Bodenarbeits-Neuling am besten an? Um Dir den Start so leicht wie möglich zu machen, habe ich hier sechs grundlegende Bodenarbeits-Übungen für Anfänger zusammengestellt, die das Fundament für jedes gute Training bilden.
Die richtige Ausrüstung für die Bodenarbeit
Bevor es losgeht, schnapp Dir das passende Equipment. Du brauchst keine Unmengen an Ausrüstung, aber ein paar Basics erleichtern die Kommunikation ungemein:
- ein gut sitzendes Stallhalfter, Knotenhalfter oder einen Kappzaum
- ein ausreichend langes Bodenarbeitsseil (ca. 3,50 bis 4 Meter) oder einen stabilen Führstrick
- einen Carrotstick oder eine leicht gewichtete Dressurgerte als Armverlängerung
- Handschuhe (Schutz vor Seilverbrennungen!)
- festes Schuhwerk
1. Richtiges Führen – Die Basis aller Kommunikation
„Wie führt man ein Pferd?“ – Das ist vielleicht Dein erster Gedanke zu dieser Übung. Ein Pferd von A nach B gebracht hat wohl jeder schon einmal. Aber Führen ist nicht gleich Führen!
Bei der Bodenarbeit geht es nicht darum, das Pferd irgendwie hinter sich herzuschleifen. Es geht um feine Körpersprache, Aktion und Reaktion. Das Wie steht im Vordergrund – und zwar schon bei so banalen Dingen wie dem Losgehen und Anhalten.
Vorbereitung und Position
Stell Dir vor Deinem inneren Auge genau vor, wie die Übung aussehen soll. Dieses Bild hilft Dir, Deinem Pferd gegenüber absolut klar aufzutreten.
Die optimale Position: Die Nase Deines Pferdes befindet sich etwa auf Höhe Deiner Schulter. Beginne auf der linken Seite, da die meisten Pferde diese Führung gewohnt sind. Wenn es klappt, wechselst Du sofort die Seite – denn eine gute Bodenarbeit mit dem Pferd funktioniert immer von beiden Seiten!
Führst Du links, hältst Du das Seil etwa einen Meter unter dem Halfter in der rechten Hand, das restliche Seil liegt locker in Schlaufen in der linken Hand. Auch den Stick hältst Du links – so, dass er wie eine Gerte beim Reiten nach hinten zeigt und der Bodenberührung fernbleibt. Das Seil zwischen Halfter und Deiner Hand hängt durch.
Das Prinzip der 4 Phasen
Bring Körperspannung in Deinen Oberkörper und richte Dich auf. Deine Füße bleiben erst mal stehen. Hebe den rechten Arm leicht an und zeige in die Richtung, in die Ihr gehen wollt. Reagiert Dein Pferd noch nicht? Dann steigere die Hilfe schrittweise:
- Phase 1 (Körpersprache & Signal): Körperspannung aufbauen, Arm in Laufrichtung heben.
- Phase 2 (Leichter Impuls): Sanfter Druck auf das Seil aufbauen.
- Phase 3 (Erhöhte Energie): Den Stick in Richtung Hinterhand anheben und ggf. leicht schwingen.
- Phase 4 (Körperlicher Reiz): Das Pferd mit dem Stick an der Hinterhand leicht antippen.
Gib Deinem Pferd bei jeder Stufe 2–3 Sekunden Zeit zum Nachdenken! Sobald es auch nur den Ansatz macht, den ersten Schritt vorwärtszusetzen, stellst Du augenblicklich jede Hilfe ein und lobst es.
Richtungswechsel und Anhalten
Nach links abbiegen: Drehe Deinen Oberkörper bewusst nach links. Zeige die Richtung mit den Schultern an. Folgt das Pferd nicht, gibst Du leichten Druck aufs Halfter und schickst die Hinterhand bei Bedarf mit dem Stick nach rechts weg.
Nach rechts abbiegen: Drehe Dich nach rechts. Du stehst nun zwischen Pferd und Weg und schiebst es mit Deiner Raumforderung nach rechts weg. Reagiert es nicht, schiebst Du es sanft mit der linken Hand am Halsansatz nach drüben.
Anhalten: Nimm die Spannung aus Deinem Körper, atme hörbar aus, ziehe die Schultern leicht nach hinten und bleib stehen. Läuft Dein Pferd über Deine Schulter hinweg, stoppst Du es am Seil und schickst es sofort ein paar Schritte rückwärts.
2. Das Rückwärtsrichten auf feine Signale
Das Rückwärtsrichten bei der Bodenarbeit führen wir am Anfang von vorne aus. Stell Dich frontal vor Dein Pferd und streichle sanft seinen Nasenrücken. Leg die Hand so auf, dass erst einmal nur Deine Fingerspitzen das Fell berühren.
Ziel ist es, dass Dein Pferd allein auf diesen leichten Kontakt hin nach hinten weicht. Tut es das nicht, wendest Du wieder das Prinzip der Drucksteigerung an:
- Stufe 1: Berührung auf dem Fell
- Stufe 2: Spürbarer Druck auf der Haut
- Stufe 3: Druck geht auf das Muskelgewebe
- Stufe 4: Druck geht spürbar auf den Knochen
Sobald Dein Pferd das Gewicht nach hinten verlagert oder den ersten Schritt rückwärts macht, lässt Du den Druck blitzartig los und schenkst ihm eine Pause. Steigere die Anzahl der Schritte erst, wenn ein einzelner Schritt auf feinste Berührung sitzt.
3. Vorder- und Hinterhand weichen lassen
Um Dein Pferd in alle Richtungen manövrieren zu können, muss es lernen, Vorhand und Hinterhand gezielt zu verschieben. Wir arbeiten uns von vorne nach hinten durch:
Vorhand weichen lassen
Stell Dich frontal vor die Schulter Deines Pferdes. Die rechte Hand liegt mit den Fingerspitzen auf der Schulter, die linke Hand am Halsansatz. Gib sanften Druck auf die Schulter. Ziel ist es, dass das Pferd mit der Vorderhand von Dir weg weicht und die Beine kreuzt. Ein erster kleiner Schritt zur Seite reicht für den Anfang völlig aus! Die Hinterhand sollte dabei möglichst stehen bleiben.
Hinterhand weichen lassen
Das Prinzip ist identisch, nur dass Du Deine Hand an die Flanke bzw. den Hüfthöcker anlegst. Das Pferd soll mit den Hinterbeinen um die stehende Vorderhand herumtreten.
4. Das Übertreten: Erste Schritte zur Gymnastizierung
Das Übertreten ist die Weiterentwicklung des Weichenlassens. Hier fordern wir gezielt, dass das innerste Bein (das Bein auf Deiner Seite) deutlich vor dem äußeren Bein kreuzt.
Wenn Du also an der rechten Hinterhand arbeitest, muss der rechte Hinterhuf links vor dem linken Hinterhuf vorbeigreifen. Diese Übung dehnt die Flanken, aktiviert die Hinkterhand und ist der optimale Einstieg in die gymnastizierende Bodenarbeit.
5. Führen in Stellung und Biegung
Vor dieser Übung solltest Du genau wissen, wie eine korrekte Biegung aussieht: Das Pferd biegt sich gleichmäßig von Genick bis Schweifansatz, ohne im Genick abzuknicken oder mit der Schulter auszubrechen.
Stellung im Stand: Stell Dich auf Schulterhöhe Deines Pferdes (am besten auf seiner Schokoladenseite). Bitte es am Halfter oder Kappzaum sanft um eine leichte Stellung im Genick zu Dir hin. Hält es diese für 1–2 Sekunden, löst Du auf und lobst es. (Tipp: Ein Kappzaum verhindert das Verwerfen im Genick deutlich besser als ein Halfter!)
Biegung im Stand: Leg eine Hand an den Halsansatz und die andere an die Gurtlage/den Bauch. Bitte Dein Pferd, sich um Deine Hand herum zu biegen.
In der Bewegung: Erst wenn das im Stand klappt, geht Ihr Schritt für Schritt auf die Zirkellinie. Die gebogene Linie macht es dem Pferd viel leichter, die Biegung im Schritt aufrechterhalten zu können.
6. Schulterherein an der Hand
Kann Dein Pferd auf einer Geraden korrekt gestellt laufen, ist das Schulterherein an der Hand nicht mehr weit!
Beim Schulterherein läuft die Hinterhand gerade auf dem Hufschlag weiter, während die Schulter um etwa einen halben Hufschlag nach innen geführt wird. Die Vorderbeine kreuzen leicht, und das innere Hinterbein fußt idealerweise in die Spur des äußeren Vorderbeins.
So geht’s: Laufe auf Schulterhöhe mit. Führst Du rechts, hältst Du das Seil links und den Stick in der rechten Hand. Lass Dein Pferd im Schritt anhalten, frage die Biegung ab und führe die Schulter mit dem Seil sanft einen Schritt zu Dir nach innen.
Wichtig: Achte darauf, dass das Pferd wirklich mit der Schulter hereinspaziert und nicht mit der Kruppe nach außen wegdrängt!
Was tun bei Fehlern? So korrigierst Du richtig
Was passiert, wenn Dein Pferd nicht so reagiert wie gewünscht?
Das Pferd sucht nach der Antwort: Wenn Du merkst, dass Dein Pferd nachdenkt und ausprobiert, bleibst Du einfach auf der gewählten Hilfenstufe stehen. Verändere den Druck nicht und werde nicht laut. So gibst Du ihm Zeit, die Lösung zu finden, ohne es für den falschen Versuch zu bestrafen.
Das Pferd entzieht sich bewusst: Wenn Dein Pferd versucht wegzurennen oder sich der Aufgabe dreist zu entziehen (und Du Überforderung oder Schmerzen ausschließen kannst), korrigierst Du es ruhig, bestimmt und konsequent. Bring es zurück in die Ausgangsposition und frage die Übung direkt erneut ab.