Die perfekte Stallapotheke:
Das gehört in Deinen Erste-Hilfe-Kasten fürs Pferd
Kratzer, Schrammen, Bisse oder Tritte – kleinere und größere Blessuren gehören im Pferdestall leider zum Alltag. Viele kleine Verletzungen können wir als Besitzer problemlos selbst behandeln. Und auch bei ernsteren Notfällen müssen Wunden oft erstversorgt werden, bis der Tierarzt eintrifft. Um Deinem Pferd in solchen Momenten schnell und sicher helfen zu können, brauchst Du eine gut bestückte Stallapotheke.
Die Basics für die Wundversorgung beim Pferd
Die folgende Checkliste zeigt Dir, was in eine gut ausgestattete Stallapotheke gehört.
Ein alter Auto-Verbandskasten
Ein abgelaufener Kfz-Verbandskasten ist eine günstige und praktische Basis für die Stallapotheke. Er enthält viele nützliche Dinge wie Verbände, Verbandsmull, Heftpflaster, Dreieckstücher und eine Schere, die Du sonst einzeln kaufen müsstest. Im Auto ist er nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums zwar nicht mehr zulässig, für die Erstversorgung beim Pferd lassen sich die Materialien aber meist noch gut verwenden. Achte darauf, dass die Verpackungen unbeschädigt sind.
Blauspray
Egal ob Schürfwunde oder kleiner Riss in der Haut: Mit Blauspray lassen sich oberflächliche Wunden schnell und flächendeckend desinfizieren. Wichtig: Im Bereich des Kopfes solltest Du das Spray gar nicht oder nur mit äußerster Vorsicht anwenden. Es darf niemals in die Augen oder auf die Schleimhäute gelangen. Hier greifst Du besser auf desinfizierende Salben zurück.
Tipp: Viele Pferde haben Angst vor dem zischenden Geräusch von Sprühflaschen. Wie Du Deinem Pferd diese Angst Schritt für Schritt nimmst, erfährst Du in unserem Magazinbeitrag „Angst vor der Sprühflasche?“.
Jodsalbe (z. B. Betaisodona) oder medizinischer Honig
Genau wie Blauspray dient auch eine Jodsalbe der zuverlässigen Desinfektion. Sie eignet sich besonders für kleinere Verletzungen, für Wunden am Kopf und für warme Sommertage: Jodsalbe desinfiziert nicht nur, sondern deckt die Wunde auch gut ab und schützt sie so wie eine Barriere vor Fliegen und anderen Insekten.
Praxistipp: Jodflecken lassen sich nur sehr schwer aus Kleidung auswaschen – Einmalhandschuhe und alte Stallkleidung sind daher empfehlenswert.
Eine natürliche Alternative ist Honig. Seine Inhaltsstoffe wirken antibakteriell und unterstützen die Wundheilung. Am besten geeignet ist medizinischer Wundhonig aus der Apotheke, da er steril und in seiner Wirkung standardisiert ist. Herkömmlicher Supermarkthonig ist dagegen häufig wärmebehandelt und nicht keimfrei.
Nicht-fusselnde Tücher & saubere Schwämme
Zum sanften Reinigen verschmutzter Wunden gehören Schwämme in verschiedenen Größen sowie fusselfreie Tücher oder sterile Kompressen in jede Stallapotheke. Wichtig ist, dass die Materialien keine Fasern verlieren: Bleiben Faserreste in der Wunde zurück, können sie Entzündungen und Infektionen verursachen.
Abgekühlter Kamillentee
Abgekühlter Kamillentee eignet sich als natürlicher Zusatz zum Auswaschen leicht verschmutzter, oberflächlicher Wunden. Kamille wirkt entzündungshemmend und beruhigend auf die Haut. Koche den Tee frisch auf und lasse ihn vollständig abkühlen, bevor Du die Wunde damit vorsichtig reinigst. Für tiefe oder stark verschmutzte Wunden ist sterile Kochsalzlösung die bessere Wahl.
Fieberthermometer
Fieber ist immer ein deutliches Warnsignal dafür, dass im Körper Deines Pferdes etwas absolut nicht stimmt. Ein digitales Fieberthermometer ist deshalb Pflicht.
Sicherheits-Tipp zum Fiebermessen beim Pferd: Befestige am Ende des Thermometers ein festes Band mit einer Wäscheklammer und clippe diese im Schweifhaar fest. So verhinderst Du, dass das Thermometer im After des Pferdes verschwindet, falls es mal unruhig wird. Im Fachhandel gibt es auch spezielle Thermometer, die bereits eine solche Sicherungsvorrichtung integriert haben.
Die Temperatur-Richtwerte beim Pferd:
- Normaltemperatur: ca. 37,3 °C bis 38,4 °C
- Erhöhte Temperatur / leichtes Fieber: bis 39,5 °C
- Hohes Fieber: ab 39,5 °C
Zinksalbe oder Penatencreme
Zinksalbe unterstützt die Haut bei der Regeneration. Ist eine Wunde vollständig geschlossen und hat sich Schorf gebildet, kann die Stelle noch einige Zeit damit eingecremt werden, um die Heilung zu fördern. Eine gute Alternative aus der Drogerie ist Wundschutzcreme mit hohem Zinkanteil, zum Beispiel Penatencreme.
Kamillencreme oder Melkfett
Kamillencreme und Melkfett eignen sich für die Narben- und Nachversorgung. Sie halten die neue Haut geschmeidig und elastisch. Besonders bei Pferden mit empfindlicher Haut oder einer Neigung zu Hautveränderungen wie Sarkoiden ist es wichtig, dass auch kleine Wunden sauber und vollständig verheilen.
Bachblüten-Notfalltropfen (Rescue-Tropfen)
Viele Pferdebesitzer haben für den Ernstfall Bachblüten-Notfalltropfen griffbereit. Regt sich das Pferd bei einer Verletzung stark auf, sollen ein paar Tropfen helfen, es bis zum Eintreffen des Tierarztes etwas zu beruhigen. Eine Wirkung ist wissenschaftlich allerdings nicht belegt – die Tropfen ersetzen daher keinesfalls eine tierärztliche Versorgung.
Zeckenzange
Eine Zeckenzange erleichtert im Frühjahr und Sommer das schnelle und vollständige Entfernen von Zecken – ohne mühsames Gefummel und ohne den Zeckenkörper zu quetschen.
Außerdem gehören in jede Stallapotheke: Einmalhandschuhe, sterile Kochsalzlösung, Kühlpads oder Kühlgamaschen, Material für einen Hufverband (zum Beispiel eine Babywindel und Panzertape), eine Taschenlampe sowie die Telefonnummern Deines Tierarztes und der nächstgelegenen Pferdeklinik.
Wichtiger Hinweis:
Die Informationen in diesem Artikel dienen der Orientierung und Aufklärung und ersetzen keine tierärztliche Beratung. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei großen, tiefen oder stark blutenden Wunden, Verletzungen in Gelenknähe sowie im Zweifel ist immer unverzüglich ein Tierarzt hinzuzuziehen.