Dressurübungen fürs Gelände:
Effektiv trainieren auf Feld- und Waldwegen
Auch ohne Reitplatz oder Halle lässt sich ein Pferd effektiv gymnastizieren und dressurmäßig fördern. Während die Ausbildung bis zu schweren Lektionen im Gelände zwar hohe Anforderungen an die Balance stellt, bieten Wald und Feld ideale Bedingungen, um Grundlagen zu festigen, die Durchlässigkeit zu verbessern und das Training abwechslungsreich zu gestalten.
Naturräumliche Gegebenheiten lassen sich dabei gezielt als Orientierungshilfen für exakt gerittene Lektionen nutzen.
1. Punktgenaue Übergänge reiten
Übergänge lassen sich auf nahezu jedem Ausreitweg problemlos integrieren. Sie verbessern die Hinterhandaktivität und die Durchlässigkeit auf feine Hilfen.
Sauberes Anhalten und Angaloppieren: Übergänge sollten ohne Verzögerung und flüssig auf den Punkt ausgeführt werden (z. B. von einer markanten Bank bis zu einem bestimmten Baum).
Variationsmöglichkeiten: Neben den klassischen Abfolgen (Schritt–Trab, Trab–Galopp) bieten direkte Übergänge wie Schritt–Galopp oder Halten–Trab eine wertvolle Schulung für Balance und Konzentration.
Wenige Wiederholungen: Um die Motivation hochzuhalten, empfiehlt es sich, Übungen in kurzen Repetitionen über den Ritt zu verteilen, anstatt eine Lektion schematisch zu wiederholen.
2. Stellen, Biegen und Schlangenlinien
Auf geraden Feldwegen oder in langgezogenen Kurven lässt sich die Längsbiegung des Pferdes kontinuierlich schulen:
Wechselseitige Stellung: Auf geraden Wegstrecken wird das Pferd abwechselnd für einige Schritte nach links und rechts gestellt, um die Festigkeit im Genick zu lösen.
Biegung in Kurven: Engere Wegbiegungen verlangen ein korrektes Umbiegen um den inneren Schenkel.
Flache Schlangenlinien: Ein breiter Feldweg bietet ausreichend Raum für flache Schlangenlinien. Bei jedem Richtungswechsel ist auf ein korrektes Umstellen zu achten.
3. Tempowechsel und Schrittfrequenz variieren
Das Variieren des Tempos innerhalb einer Gangart verhindert das unkontrollierte Eilen auf langen Strecken:
Trittlänge verändern: Das Pferd soll bei Tempowechseln nicht lediglich schneller oder langsamer laufen, sondern die Tritte gezielt verlängern oder verkürzen, ohne den Takt zu verlieren.
Der verlangsamte Schritt ("Tropfenschritt"): Eine besondere Übung für Koordination und Rückenaktivität ist das bewusste Verlangsamen des Schritts. Das Pferd geht dabei extrem ruhig und bedacht, ohne dass der Vorwärtsdrang stockt.
4. Seitengänge und Rückwärtsrichten auf dem Weg
Naturräumliche Begrenzungen wie Gräben, Zäune oder Büsche dienen dem Pferd als visuelle Leitlinien bei Seitengängen:
Schenkelweichen: Auf breiten Wegen lässt sich das Pferd von einer Wegseite zur anderen über den Schenkel weichen.
Schulterherein: Das Abbiegen in eine Kurve liefert den idealen Abfragemoment für die Einleitung des Schulterherein.
Rückwärtsrichten: Ein klares Rückwärtsrichten auf freier Strecke überprüft die Durchlässigkeit und die Akzeptanz der zügelnden Hilfen.
5. Kurven und Abzweigungen exakt ausreiten
Ähnlich wie die Ecken auf dem Reitplatz neigen viele Pferde dazu, Kurven im Gelände abzukürzen oder über die Schulter wegzudriften – insbesondere auf dem Heimweg. Ein bewusstes, punktgenaues Ausreiten von Kurven und Abzweigungen schult die Rittigkeit und verhindert das Ausbrechen der Hinterhand.
Wichtige Sicherheitshinweise für das Geländetraining
Damit das dressurmäßige Arbeiten im Gelände sicher und gewinnbringend verläuft, sollten folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
Grundgelassenheit: Das Pferd muss im Gelände verlässlich und regulierbar sein. Bei hoher Nervosität oder Schreckhaftigkeit hat die Beruhigung Priorität vor dressurmäßigen Aufgaben.