Fit in den Frühling:
Pferd richtig antrainieren nach der Winterpause
Mit steigenden Temperaturen im Frühjahr beginnt für viele Pferdehalter die intensive Trainingssaison. Nach den Wintermonaten, in denen Pferde wetterbedingt oder mangels überdachter Reitmöglichkeiten oft reduzierter bewegt wurden, benötigt der Bewegungsapparat eine gezielte Übergangsphase.
Ein strukturierter Wiederaufbau von Kondition und Muskulatur ist entscheidend, um Sehnenschäden, Muskelkater oder Überlastungen des Rückens zu vermeiden.
1. Langsamer Trainingsbeginn statt Überforderung
Wurde ein Pferd über mehrere Wochen oder Monate wenig gefordert, bilden sich Ausdauer und Muskulatur ab. Ein zu abruptes Anziehen des Trainingspensums führt rasch zu Überforderung und Verletzungen.
Kurze Einheiten: Das Training startet mit kurzen, wenig intensiven Abschnitten und wird schrittweise gesteigert.
Intensität anpassen: Anstelle langer Galoppaden oder hoher Sprünge steht zunächst die stetige Bewegung im Vorwärts-Abwärts im Mittelpunkt.
2. Struktur durch einen Trainingsplan
Um den Wiederaufbau übersichtlich zu gestalten und Überlastungen vorzubeugen, empfiehlt sich ein schriftlicher Trainingsplan:
Einheiten dokumentieren: Reitzeiten, Bodenarbeit, Ruhetage und Spaziergänge werden eingetragen.
Fortschritte festhalten: Die systematische Übersicht zeigt, wie sich Ausdauer und Kraft entwickeln und wo gegebenenfalls Pausen eingelegt werden müssen.
3. Muskelaufbau vom Boden aus starten
Bevor der Pferderücken wieder voll unter dem Sattel belastet wird, lässt sich die Rumpf- und Oberlinienmuskulatur effektiv vom Boden aus kräftigen:
Klettern im Gelände: Spaziergänge im hügeligen Gelände beanspruchen die Hinterhand und stärken die Rumpfmuskulatur ohne Reitergewicht.
Gezielte Longenarbeit: Das Training an der einfachen Longe oder Doppellonge fördert die Biegsamkeit und das Kauen.
Stangen- und Zirzensikübungen: Das Übersteigen von Stangen aktiviert die Bauchmuskeln und verbessert die Koordination.
4. Überprüfung der Sattelpassform
Durch den Abbau oder die Veränderung von Muskelmasse während der Winterpause verändert sich die Rückenkontur des Pferdes. Ein Sattel, der im Herbst perfekt passte, kann im Frühjahr Druckstellen erzeugen oder die Schulterfreiheit einschränken.
Wichtiger Hinweis: Vor Wiederaufnahme des intensiven Reittrainings sollte die Passform des Sattels überprüft und bei Bedarf durch eine Fachkraft (Sattler/Sattlerin) angepasst werden.
5. Reittraining und Gelände variabel gestalten
Wird das Training unter dem Sattel wieder aufgenommen, bieten sich abwechslungsreiche Einheiten an:
Dressurarbeit: Fokus auf lösende Lektionen, große Biegesteine und rhythmisches Reiten.
Geländeritte: Unterschiedliche Bodenverhältnisse und lange, gerade Strecken fordern Sehnen, Bänder und Ausdauer auf natürliche Weise. Dressurübungen wie Halten, Rückwärtsrichten oder Sch anyken lassen sich zudem hervorragend in den Geländeritt integrieren.
6. Das Pferd genau beobachten
Jedes Pferd benötigt ein individuelles Tempo beim Wiederaufbau. Anzeichen von Erschöpfung – wie vermehrte Atmung, Triebigkeit, Stolpern oder Festigkeit im Rücken – signalisieren, dass das Pensum reduziert werden muss. Ein kontinuierlicher, geduldiger Aufbau stellt sicher, dass das Pferd gesund und leistungsfähig durch die warme Jahreszeit kommt.