Frustration im Umgang mit Pferden:
Wie Du negative Gedanken überwindest
Ob beim Reiten, bei der Bodenarbeit oder im alltäglichen Umgang: Im Pferdetraining kommt fast jeder Mensch an einen Punkt, an dem die Fortschritte stagnieren. Trotz intensiven Übens scheint eine Lektion nicht zu klappen oder ein unerwünschtes Verhalten verfestigt sich. In solchen Phasen können schnell Überforderung, Enttäuschung und Frustration entstehen – bis hin zum temporären Verlust der Freude am Pferd.
Wie man aus dieser mentalen Sackgasse herausfindet und eine gesunde, motivierende Einstellung bewahrt, zeigen die folgenden Lösungsansätze.
1. Erwartungshaltungen hinterfragen und realistisch bleiben
Sowohl im Stallalltag als auch in den sozialen Medien wird häufig ein Bild von mühelosen, raschen Trainingserfolgen vermittelt: Junge Pferde zeigen bereits komplexe Lektionen, oder ehemals schwierige Pferde legen sich scheinbar nach wenigen Wochen vertrauensvoll ab.
Solche Darstellungen spiegeln selten die Realität wider und berücksichtigen oft nicht den zeitlichen Aufwand oder die angewandten Trainingsmethoden. Sie erzeugen jedoch unbewusst einen hohen Druck und unrealistiche Erwartungen an das eigene Pferd sowie an das eigene Können.
Realistische Einschätzung statt Selbstüberforderung:
Solide Basis aufbauen: Höhere Lektionen, Zirkustricks oder tiefes Vertrauen erfordern monate- bis jahrelanges, konsequentes Training.
Kleine Teilschritte wählen: Überfordernde Großziele führen schnell zu Frustration. Das Zerlegen von Aufgaben in kleine, bewältigbare Zwischenschritte sichert regelmäßige Erfolgserlebnisse.
2. Ziele anpassen oder pausieren
Stagniert eine Übung über einen längeren Zeitraum, führt krampfhaftes Wiederholen meist nur zu verkrampften Reaktionen bei Mensch und Pferd. In diesem Fall ist es sinnvoll, den Fokus vorübergehend zu verändern:
Einen Schritt zurückgehen: Die Grundlagen der Lektion festigen, bevor der nächste Schwierigkeitsgrad angesteuert wird.
Themenwechsel vollziehen: Vorübergehend eine völlig andere Aufgabe wählen (z. B. Entpanningstraining oder Geländegänge), um den Kopf freizubekommen und den Trainingsdruck herauszunehmen.
3. Den Blick für kleine Fortschritte schärfen
Erfolg im Pferdetraining bemisst sich nicht nur an geschafften Lektionen. Der Fokus im Alltag sollte verstärkt auf den unscheinbaren, positiven Momenten liegen:
Das aufmerksame Zudrehen des Pferdes auf der Koppel
Eine entspannte Reaktion in einer potenziell stressigen Situation
Eine feine, prompte Antwort auf eine bekannte Hilfe
Wer lernt, diese kleinen Nuancen bewusst wahrzunehmen und zu schätzen, erhält die Motivation aufrechterhalten und stärkt die positive Grundstimmung im Training.
4. Die eigene Motivation reflektieren
Es lohnt sich, die Beweggründe für bestimmte Trainingsziele ehrlich zu hinterfragen:
Geht es darum, die Kommunikation, Gesundheit oder Partnerschaft mit dem Pferd zu verbessern?
Oder entsteht der Wunsch nach einem bestimmten Ziel aus dem Verlangen, Anerkennung im Umfeld oder in den sozialen Medien zu erhalten?
Ziele, die primär für die Außenwirkung gesteckt werden, führen im Alltag häufig zu unruhigem, ehrgeizgetriebenem Handeln. Das Fokussieren auf das Wohl des Pferdes und die Qualität der gemeinsamen Zeit nimmt diesen Druck.
5. Bereits Erreichtes bewusst machen
Bei akuter Frustration hilft ein Blick auf den bisherigen gemeinsamen Weg. Oft gerät in Vergessenheit, welche Herausforderungen in der Vergangenheit bereits erfolgreich gemeistert wurden. Das Bewusstmachen früherer Erfolge spendet Zuversicht und macht deutlich, dass auch aktuelle Trainingshürden mit Geduld und Kontinuität überwunden werden können.
Wie gehst Du mit Phasen um, in denen im Training einmal nichts zu klappen scheint? Teile Deine Strategien gerne in den Kommentaren!