Futterlob bei Pferden - ja oder nein

Futterlob bei Pferden - ja oder nein

Pros und Contras für Leckerlis als Belohnung beim Pferd

Futterlob ist in der Pferdewelt seit jeher ein heiß diskutiertes Thema. Während die einen strikt ohne Leckerlis arbeiten und Futter im Training komplett ablehnen, gehören die kleinen Belohnungen bei anderen fest zum Alltag dazu. Aber wie sinnvoll sind Leckerlis wirklich? Hier erzähle ich Dir, wie ich persönlich zum Thema Futterlob stehe und wie die Futterbelohnung ohne Rüpel-Verhalten klappen kann.

Ich für meinen Teil bin weder eine radikale Verfechterin noch eine strikte Gegnerin von Leckerlis als Belohnung für Pferde. Denn je nach Pferdepersönlichkeit und Ausbildungsstand bringt Futterlob sowohl viele positive als auch ein paar negative Aspekte mit sich.

Die Vorteile: Warum Futterlob im Training so gut funktioniert

Das Tolle am Futterlob ist, dass diese Art der Belohnung für Pferde extrem einfach und superschnell verständlich ist. Folgt das Leckerli unmittelbar auf eine korrekt gelöste Aufgabe, erzielt man damit einen enormen Lerneffekt. Es ist eine Paradeform der positiven Verstärkung beim Pferd, bei der neben der stimmlichen Anerkennung ein echter, schmeckbarer Benefit für den Vierbeiner herausspringt.

Neben diesem schnellen Lerneffekt sorgt ein Futterlob bei vielen Pferden auch für eine riesige Extraportion Motivation und Eifer – die Augen fangen an zu leuchten, und das Pferd denkt aktiv mit!

Die Kehrseite: Betteln, Rüpel-Verhalten und Zuckerbomben

Beim Loben mit Leckerlis musst Du genau aus dieser Motivation heraus aber gut aufpassen, dass Dein Pferd vor lauter Gier nicht übereifrig wird. Das größte Contra am Futterlob ist nämlich, dass es bei vielen Pferden schnell zu distanzlosem Betteln führt.

Das zeigt sich oft im ungefragten Ausführen von Lektionen. Was im ersten Moment vielleicht ganz niedlich oder witzig klingt, kann im Zweifelsfall schnell gefährlich werden – etwa wenn Dein Pferd Dir beim ungeplanten Spanischen Schritt plötzlich aus dem Nichts die Vorderbeine um die Ohren haut!

Andere Pferde werden beim Betteln extrem aufdringlich: Sie bedrängen und beknabbern ihren Menschen. Reagiert man darauf nicht sofort mit einem Leckerli, fangen manche frustrierte Tiere sogar an zu zwicken, zu treten oder gezielt zuzubeißen.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt: Viele handelsübliche Pferdeleckerlis haben einen extrem hohen Zuckergehalt und sind für die Figur und den Stoffwechsel unserer Pferde auf Dauer ziemlich ungesund.

„Pferde müssen sich ihr Futter nicht erarbeiten!“ – Stimmt das Argument?

Einige Leckerli-Gegner führen gerne das Argument an, Futterlob sei nicht pferdegerecht und für Pferde unverständlich, da sie sich ihr Futter – anders als Raubtiere beim Jagen – in der Natur schließlich nicht erarbeiten müssen.

Das halte ich persönlich für ziemlichen Blödsinn! Es stimmt zwar, dass Pferde dem Gras auf der Wiese nicht hinterherjagen müssen. Dass sie Futterlob aber dennoch auf Anhieb verstehen und als enorme Motivation empfinden, weiß wohl jeder aus eigener Erfahrung, der seinem Pferd schon einmal etwas mithilfe von Leckerlis beigebracht hat.

Selbst in der freien Natur und ganz ohne menschlichen Einfluss verleitet leckeres Futter Pferde zu wahren Höchstleistungen: Sie werden zu erstaunlichen Verrenkungskünstlern und Hochleistungsturnern, wenn auf der anderen Seite des Zauns ein besonders saftiges Grasbüschel steht oder der Apfel am Baum eigentlich viel zu hoch hängt, um ihn zu erreichen – es am Ende aber eben doch irgendwie geht!

3 goldene Regeln für den richtigen Umgang mit Futterlob

Damit die Belohnung mit Leckerlis Dein Pferd nicht in ein rüpeliges Bettel-Monster verwandelt, solltest Du im Alltag ein paar einfache Regeln konsequent einhalten:

Belohnung nur auf Einladung: Die für mich wichtigste Regel lautet: Ein Leckerli gibt es ausschließlich dann, wenn das Pferd eine von mir explizit abgefragte Aufgabe erfüllt hat.

Betteln führt zu Nichts: Bettelt das Pferd ungefragt, starrt die Taschen an oder scharrt mit den Hufen, bekommt es auf gar keinen Fall etwas! Das Verhalten wird konsequent ignoriert oder körpersprachlich korrigiert.

Höflichkeit und Distanz wahren: Ein grundlegender Respekt dem Menschen gegenüber ist die Grundvoraussetzung. Dein Pferd muss lernen, dass Dein persönlicher Wohlfühlbereich tabu ist. Das Bedrängen, Anrempeln oder Schnappen nach Hand und Taschen ist ein absolutes No-Go.

Mein Tipp: Gib das Leckerli nie direkt aus der Hand an der Tasche, sondern führe die Hand erst ein Stück weit weg vom Körper und halte sie ruhig hin. Das Pferd lernt so, dass es den Kopf höflich von Dir wegwenden muss, um die Belohnung zu bekommen.

Gesunde Leckerli-Alternativen ohne Zuckerbombe

Wie schon erwähnt, stecken industriell hergestellte Leckerlis leider oft voller Zucker, Konservierungsstoffe und Getreide. Wenn Du Dein Pferd belohnen, aber gesündere Alternativen nutzen möchtest, habe ich hier meine liebsten Favoriten für Dich:

Getrocknete Hagebutten: Supergesund, reich an Vitamin C und von fast allen Pferden absolut geliebt (können frisch oder getrocknet verfüttert werden).

Möhrenstückchen: Möhren enthalten zwar auch natürlichen Fruchtzucker, aber bei Weitem nicht so viel wie gekaufte Leckerlis. In kleine Scheiben geschnitten, reicht eine einzige Karotte für eine ganze Trainingseinheit.

Getrocknete Brotstückchen: Brot sollte natürlich niemals in Massen gefüttert werden. Als kleine Belohnung zwischendurch ist es in meinen Augen aber völlig okay und definitiv besser als die gekauften Zuckerbomben. Ich schneide altes Vollkornbrot einfach in leckerligroße Würfel und lasse sie steinhart durchtrocknen.

Heu- oder Luzernecobs: Achte bei den Cobs unbedingt darauf, dass Du Sorten wählst, die ausdrücklich auch trocken verfüttert werden dürfen!

Mineralfutter-Bricks: Meine Pferde bekommen ihr tägliches Mineralfutter momentan in praktischer Brick-Form. Was liegt da näher, als ihnen diese Tagesdosis einfach als Belohnung über die Bodenarbeit verteilt zu geben? So schlägst Du zwei Fliegen mit einer Klappe!

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