HowTo: So bringst Du Deinem Pferd das Hufegeben bei
Schritt für Schritt-Anleitung
Das Hufegeben gehört zum täglichen Umgang mit dem Pferd wie das Putzen oder Füttern. Dennoch ist es für ein Pferd keineswegs selbstverständlich, dem Menschen freiwillig ein Bein zu überlassen. Das entspannte Halten der Hufe erfordert gegenseitiges Vertrauen, verständliche Signale und physisches Gleichgewicht.
Warum das Hufegeben für Pferde eine Herausforderung ist
Dass sich junge oder unerfahrene Pferde beim Hufegeben anfänglich schwerziehen, hat sowohl psychische als auch physische Ursachen:
Psychische Ursache (Fluchtinstinkt): Als Fluchttiere sind Pferde darauf angewiesen, im Ernstfall mit allen vier Beinen fluchtbereit auf dem Boden zu stehen. Wird ein Bein angehoben oder gar festgehalten, bedeutet dies eine Einschränkung der Handlungsfähigkeit. Unruhe oder Abwehr sind daher meist Ausdruck von Überforderung oder Verunsicherung und kein Ungehorsam.
Physische Ursache (Balance): Das Anheben eines Beines in der Bewegung unterscheidet sich grundlegend vom Stehen auf drei Beinen. Im Stand muss das Körpergewicht gezielt verlagert werden, um die Balance zu halten und den Schwerpunkt ohne Stütze auszubalancieren.
Voraussetzung: Berührungen an den Beinen akzeptieren
Bevor mit dem eigentlichen Training begonnen wird, muss das Pferd Berührungen an allen vier Beinen problemlos tolerieren. Ist das Pferd an den Beinen empfindlich, sollte diese Sensibilität zunächst schrittweise abgebaut werden.
Schritt 1: Das Anheben auf Signal lernen
Ziel des ersten Schrittes ist es, dass das Pferd den Huf auf ein klares Kommando hin selbstständig vom Boden hebt.
Einsatz eines Hilfsmittels: Für die ersten Versuche empfiehlt sich eine Gerte oder ein Trainingsstick. Da manche Pferde auf das Signal unkontrolliert oder ruckartig reagieren, schützt das Hilfsmittel vor Verletzungen.
Signal geben und Reiz steigern: Ein Stimmkommando (z. B. „Huf“) geben und das Bein mit der Gerte leicht antippen. Das Tippen wird mit gleichbleibender Intensität fortgesetzt. Reagiert das Pferd nicht, wird das Stimmkommando wiederholt und der Druck des Tippens leicht erhöht.
Sofortiges Belohnen: Sobald das Pferd das Bein entlastet oder leicht anhebt, stellt man das Antippen augenblicklich ein und lobt das Pferd ausgiebig.
Übertragung auf die Hand: Klappt das Anheben an allen vier Beinen verlässlich mit der Gerte, wird die Übung mit dem Finger wiederholt.
Wichtiger Hinweis: Ein Gegenlehnen oder Wegschieben des Pferdes, um es zum Entlasten des Beines zu zwingen, ist nicht ratsam. Dies bringt das Pferd aus dem Gleichgewicht und bringt ihm im schlimmsten Fall bei, sein Gewicht erst recht auf den Menschen zu verlagern.
Schritt 2: Das Festhalten und ruhige Absetzen
Damit der Huf gepflegt, ausgekratzt oder vom Hufbearbeiter bearbeitet werden kann, muss das Pferd das Halten des Beines dulden.
Kurze Intervalle: Nach dem Anheben wird die Hand zunächst nur für eine Sekunde unter den Huf gelegt.
Kontrolliertes Absetzen: Der Huf darf nicht einfach fallengelassen werden. Er wird langsam geführt in Richtung Boden freigegeben – idealerweise kombiniert mit einem Stimmkommando wie „Setz ab“.
Schrittweise Steigerung: Die Zeitspanne des Haltens wird schrittweise verlängert, sobald das Pferd ruhig bleibt. Den Huf dabei nie höher als nötig heben und regelmäßige Pausen einräumen.
Lösungen für häufige Probleme
Das Pferd lehnt sich auf den Menschen
Stützt sich das Pferd ab, fordert man es bei angehobenem Bein erneut zum Anheben auf. Dadurch wird das Pferd angeregt, seine Balance neu zu finden und sein Gewicht selbst zu tragen. Alternativ kann etabliert werden, dass das Pferd den Huf frei in der Luft hält und erst auf Signal kontrolliert absetzt.
Das Pferd tritt oder entzieht den Huf
Ein Wegziehen oder Treten ist häufig ein Zeichen von körperlicher Überforderung, fehlender Balance oder Gelenkschmerzen. In diesem Fall geht man im Training einen Schritt zurück und schließt gesundheitliche Beschwerden aus.
Unruhe bei der Hufbearbeitung oder beim Schmied
Das Klopfen und Bewegen des Hufes bei der Hufbearbeitung erfordert zusätzliche Routine. Dies lässt sich im Alltag durch Trockenübungen vorbereiten: Der angehobene Huf wird sanft in verschiedene Richtungen bewegt und mit der flachen Hand oder dem Hufkratzer leicht abgeklopft.