HowTo Targettraining:
So lernt Dein Pferd das Touch-It Game
Das Touch-It Game (nach Pat Parelli) – im modernen Pferdetraining meist einfach als Targettraining bezeichnet – ist eine hervorragende Methode, um Pferden die Angst vor unbekannten Gegenständen zu nehmen. Dass sich aus dieser einfachen Übung spätestens im fortgeschrittenen Verlauf auch witzige Zirkuslektionen und kreative Denkspiele entwickeln lassen, ist ein fantastischer Nebeneffekt.
Targettraining ist weit mehr als nur ein niedlicher Trick: Es ist eine der effektivsten Möglichkeiten, Schreckhaftigkeit abzubauen und das Selbstbewusstsein des Pferdes gezielt zu stärken.
Warum ist Targettraining für Pferde so wertvoll?
Insbesondere für ängstliche oder skeptische Pferde ist das Targettraining eine wahre Schlüsselübung. Wenn ein Pferd aufgefordert wird, einen Gegenstand aktiv mit der Nase zu berühren, muss es sich zwangsläufig mental mit diesem Reiz auseinandersetzen.
In dem Moment, in dem das Pferd den Gegenstand neugierig anstupsst, kann anatomisch und mental keine Panik vorherrschen – der Fluchtreflex wird durch aktives Nachdenken ersetzt. (Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass das Pferd schrittweise an das Objekt herangeführt wurde und sich nicht in einer Überforderungssituation befindet).
Die Vorteile des Targettrainings auf einen Blick:
Stärkung des Vertrauens: Das Pferd lernt, dass von Gegenständen, die der Mensch ihm zeigt, keine Gefahr ausgeht.
Förderung von Neugier statt Flucht: Anstatt vor Neuem zurückzuweichen, entwickelt das Pferd eine Neugierhaltung („Was passiert, wenn ich das anstippe?“).
Eigenständiges Mitdenken: Die Übung belohnt eigeninitiative Lösungsansätze und sorgt für eine positive mentale Auslastung.
Die Vorbereitung: Das richtige Equipment wählen
Bevor es mit dem Training losgeht, sollte das passende Objekt gewählt werden. Bei den ersten Versuchen empfiehlt es sich, keine schreckauslösenden Gegenstände zu nutzen. Ideal für den Einstieg sind vertraute, positiv besetzte Objekte wie:
- eine Futter- oder Putzkiste
- ein gewohnter Leckerli-Eimer
- ein großer Gymnastikball
Zudem sollte vorab ein eindeutiges Stimmkommando gewählt werden, das künftig ausschließlich für diese Übung genutzt wird (z. B. „Touch!“ oder „Tip!“). Wichtig ist, dass sich das gewählte Wort klar von bereits etablierten Kommandos unterscheidet.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So gelingt das Targettraining
- Die optimale Startposition
Platziere das Pferd frontal vor dem Objekt. Für den Anfang sollte sich der Gegenstand etwa auf Nasenhöhe des Pferdes befinden, um den Weg für die ersten Annäherungsversuche möglichst kurz und einfach zu halten. - Das Signal geben und Reaktionen belohnen
Zeige mit der Hand oder dem Zeigefinger auf den Gegenstand, tippe ihn eventuell selbst kurz an und gib das gewählte Stimmkommando.
Zeigt das Pferd noch keine Reaktion, kann das Signal ruhig ein- bis zweimal wiederholt werden.
Sobald das Pferd auch nur den Kopf minimal in Richtung des Gegenstandes streckt oder schnuppert, folgt sofort ein verbales Lob und eine kurze Pause. - Sanfte Hilfestellung bei Unverständnis
Reagiert das Pferd zu Beginn gar nicht, kann am Halfter oder Kappzaum ein ganz feiner Impuls in Richtung des Objekts gegeben werden. Das Ziel ist hierbei lediglich eine Richtungsweisung – der Kopf darf keinesfalls gewaltsam zum Gegenstand gezogen werden. Jede eigenständige Bewegung in die richtige Richtung wird augenblicklich belohnt. - Die Feinarbeit bis zur Berührung
Die Anforderungen werden nun schrittweise gesteigert: Belohnt wird immer nur das Stückchen mehr Annäherung, bis die Pferdenase schließlich den Gegenstand berührt.
Tipp bei Berührungsängsten: Tut sich das Pferd schwer, den letzten Zentimeter zu überwinden, kann für die ersten Wiederholungen ein kleines Möhrenstückchen oder ein Leckerli direkt auf dem Gegenstand platziert werden. Das motiviert und baut Hemmungen schnell ab.
- Festigen und Übertragen
Hat das Pferd das Prinzip verstanden, sollte die Übung zunächst an ein und demselben Gegenstand gefestigt werden. Erst wenn das Targettraining bei unbedenklichen Dingen absolut verlässlich auf Signal klappt, kann das Spiel auf potenziell gruselige Gegenstände (wie Regenschirme, Flatterbänder oder Planen) übertragen werden.