Kreativer Dressurparcours:
Abwechslung und Motivation im Dressurtraining
Stangen, Tonnen, Hütchen und Cavaletti – diese bunten Utensilien werden von vielen Reitern nicht unbedingt als Erstes mit dem klassischen Dressurtraining in Verbindung gebracht. Dabei sind sie genial: Sie dienen als optische Richtlinien, helfen Dir und Deinem Pferd, die Kommunikation zu verfeinern, bringen frischen Schwung in den Reitplatz-Alltag und schulen ganz nebenbei Takt, Balance und Koordination!
Mit den folgenden Dressurparcours-Ideen für Dein Pferd verwandelst Du öde Hufschlagfiguren in motivierende Trainingseinheiten.
Die richtige Vorbereitung: Hindernisse entspannt kennenlernen
Bevor Du mit dem gerittenen Parcours startest, solltest Du austesten, wie Dein Pferd auf die bunten Requisiten reagiert. Eine Stangengasse – selbst wenn sie flach auf dem Boden liegt – kann bei sensiblen Pferden ein unangenehmes Gefühl von Enge auslösen. Tonnen und Pylonen sehen aus Pferdesicht manchmal erst mal ziemlich gruselig aus.
Zeige Deinem Pferd die einzelnen Elemente vor dem ersten Ritt in aller Ruhe vom Boden aus. Erst wenn es die Tonnen entspannt passiert und gelassen durch die Gassen marschiert, startet Ihr mit dem Training im Sattel.
1. Die Stangengasse: Multitool für Übergänge, Punktgenauigkeit und Seitengänge
Für eine Stangengasse legst Du zwei Stangen im Abstand von ca. einem Meter parallel zueinander auf den Boden. Wenn Du eine längere Gasse möchtest, kannst Du jeweils zwei Stangen hintereinanderlegen. Mein Tipp: Mache die Gasse nicht zu lang! Der Bereich innerhalb der Stangen erfordert maximale Konzentration. Ist die Gasse endlos lang, führt das schnell zu Überforderung.
Die Stangengasse beim Pferd lässt sich super vielseitig einsetzen:
Orientierung beim Rückwärtsrichten: Reite in die Gasse ein, halte am Ende an und lass Dein Pferd rückwärtstreten. Die seitliche Begrenzung hilft enorm, dass die Hinterhand nicht ungewollt nach links oder rechts ausbricht.
Punktgenaue Übergänge: Reite im Schritt in die Gasse ein, trabe exakt auf der Hälfte an und pariere beim Verlassen wieder durch. Für Fortgeschrittene markiert die Gasse den Übergang selbst: Einreiten im Schritt, Anheben zum Trab in der Gasse, Ausreiten im Trab (oder Trab-Galopp). Das schult das Punktlanden auf die Sekunde genau!
Begrenzung für Seitengänge: Die Außenseite der Stange dient als optische Richtlinie für Schenkelweichen oder Schulterherein. Profis reiten die Seitengänge so über eine Stange, dass sich die Vorderhand innerhalb und die Hinterhand außerhalb der Gasse befindet. Da das Übersteigen einer Stange unter dem Bauch mentale Koordination erfordert, braucht diese Übung etwas Vorübung.
2. Tonnen und Pylonen als optische Ankerpunkte
Eine einzelne Tonne oder Pylone eignet sich hervorragend, um Orientierungspunkte in der Halle zu setzen:
Zirkel-Zentrum: Eine Tonne in der Mitte des Zirkels hilft Dir, die Kreisbahn auch wirklich rund zu reiten. Das Pferd bekommt ein optisches Zentrum, um das es sich biegen und stellen kann. Auch beim Verkleinern und Vergrößern des Zirkels ist die Tonne eine geniale Hilfe.
Ecken korrekt ausreiten: Neigt Dein Pferd dazu, die Ecken abzukürzen? Platziere eine Pylone in der Ecke auf dem zweiten Hufschlag. Das zwingt Euch dazu, tief in die Ecke hineinzureiten und die Wendung korrekt über den äußeren Zügel einzuleiten.
3. Cavaletti- und Stangenreihen: Takt und Muskelaufbau
Cavaletti-Training in der Dressur ist keineswegs nur etwas für Springreiter! Die Pferde müssen den Kopf senken, den Rücken aktiv anheben und die Beine bewusst artikulieren, um sauber über die Stangen zu fußen. Das kräftigt gezielt die Bauch-, Rücken- und Hinterhandmuskulatur – die Schlüsselmuskeln für ein gesunderhaltenes Reiten. Zudem hilft der gleichmäßige Stangenabstand, den Takt zu finden.
Die richtigen Abstände: Für ein normales Warmblut liegt der Stangenabstand im Schritt bei ca. 80–90 cm, im Trab bei ca. 1,20–1,30 m und im Galopp bei etwa 3,00 m. Passe die Abstände immer an die individuelle Schrittlänge Deines Pferdes an.
Langsam steigern: Starte im Schritt und Trab mit zwei bis drei Stangen. Erst wenn das Pferd gelassen und rhythmisch darüberfußt, nimmst Du weitere Stangen oder den Galopp hinzu.
4. Stangenfächer und Stangenwald: Mentale Fitness für den Kopf
Während eine gerade Stangenreihe dem Pferd einen festen Rhythmus vorgibt, erfordert ein Stangenfächer oder ein ungeordneter „Stangenwald“ eigenständiges Mitdenken!
Da die Abstände variabel sind, muss Dein Pferd hinsehen, seine Beine selbstständig sortieren und in der Balance bleiben. Das fördert die mentale Konzentration, das Körperbewusstsein und das Selbstvertrauen ungemein. Starte für den Anfang mit wenigen Stangen in Dreiecks- oder Fächerform, um Dein Pferd nicht zu überfordern.
5. Slalom und Schlangenlinien: Biegung und Stellung verfeinern
Baut Euch aus Pylonen einen Slalom auf. Es gilt: Je kleiner der Abstand zwischen den Hütchen, desto anspruchsvoller die Aufgabe!
Standard-Slalom: Achte darauf, Dein Pferd bei jedem Richtungswechsel über die Gewichtshilfen umzusetzen und korrekt umzustellen.
Konterstellung für Fortgeschrittene: Reite den Slalom in Konterstellung! Behalte die Biegung nach links bei, während Du eine Rechtskurve reitest. Das schult die Schulterkontrolle extrem – achte nur darauf, dass das Pferd in der Hüfte nicht ausbricht.
Schlangenlinien mit halben Volten: Reite gerade zwischen zwei Hütchen hindurch, wende am Ende mit einer halben Volte ab und reite durch die nächste Lücke wieder zurück. Der Wechsel aus geraden und gebogenen Linien bringt maximale Durchlässigkeit.
6. Stangen-L und Stangenkreuz: Die Königsdisziplinen
Ein aufgebautes Stangenkreuz oder Stangen-L (Abstand der parallelen Stangen ca. 1 Meter) eröffnet fantastische Möglichkeiten:
Die Ecke ausreiten: Reite im Schritt in das L ein, pariere in der Ecke zum Halt, wende auf der Hinterhand um 90 Grad und trabe aus dem L heraus. Das gibt Dir ein präzises Gefühl für Vorder- und Hinterhand.
Das Kleeblatt im Stangenkreuz: Reite von oben durch das Kreuz, wende nach rechts ab und reite eine Volte zurück zum nächsten Eingang des Kreuzes. Reite wieder durch die Mitte, wende nach links ab auf die nächste Volte usw. So entsteht ein vierblättriges Kleeblatt, das Biegung, Geraderichtung und Fokus perfekt kombiniert!
Seitwärts über das L: Dirigiere Dein Pferd so, dass sich nur die Vorderbeine im L befinden, und weiche seitlich über die Stange.
Kombinieren und Pausen nicht vergessen!
Das Beste am Dressurparcours ist, dass Du alle Elemente beliebig miteinander verknüpfen kannst! Platziere beispielsweise eine Tonne in die Zirkelmitte und lege zwei Stangengassen auf die Zirkellinie. Reite das Pferd gebogen, reite es in der Gasse für drei Schritte spiegelgerade und hole es am Ende der Gasse wieder sanft in die Biegung zurück.
Ganz wichtig – Pausen einbauen: Die Arbeit im Parcours verlangt Pferd und Reiter extrem viel mentale und körperliche Kraft ab. Löst die Aufgaben in kurzen Sequenzen und lasst den Zügel dazwischen immer wieder am langen Zügel überstreichen. Nur in den Pausen kann das Gehirn des Pferdes die neuen Bewegungsmuster abspeichern!
Nutzt Du bei Deinem Dressurtraining auch gerne Stangen und Pylonen oder reitest Du lieber auf dem nackten Reitplatz? Welche Parcours-Übung ist der absolute Lieblings-Klassiker von Dir und Deinem Pferd? Schreib es mir unbedingt unten in die Kommentare!