Knabberäste und Holz für Pferde:
Natürliche Futterergänzung und Beschäftigung
In der freien Wildbahn ernähren sich Pferde von einer Vielzahl unterschiedlicher Pflanzenbestandteile. Dazu gehören neben Gräsern und Kräutern auch Blätter, Früchte, Rinde und Äste. Bei domestizierten Pferden beschränkt sich die Fütterung hingegen meist auf Heu, Gras sowie Kraft- und Mineralfutter.Obwohl diese Grundversorgung den Nährstoffbedarf in der Regel deckt, stellt die Ergänzung des Speiseplans durch Knabberäste und Holzstücke eine wertvolle Bereicherung dar. Sie unterstützen die Zahnabnutzung, die Verdauung und dienen als artgerechte Beschäftigung im Paddock oder Stall.
Die Vorteile von Knabberholz in der Pferdefütterung
Das Kauen auf Hölzern bringt physikalische und gesundheitliche Vorteile mit sich:
Förderung der Speichelbildung: Rinde und Holz sind sehr faserreich. Das lange Kauen und Nagen regt die Speichelproduktion intensiv an. Der Speichel puffert die Magensäure ab und schützt die Magenwand.
Unterstützung des Abriebs der Zähne: Das harte Material beansprucht das Gebiss anders als Raufutter. Die vermehrte Mahlbewegung unterstützt den gleichmäßigen Abrieb der Pferdezähne und wirkt der Bildung von scharfen Kanten oder Haken entgegen.
Nährstoffzufuhr: Die Rinde vieler Bäume und Sträucher enthält wertvolle Mineralstoffe, Spurenelemente und Gerbstoffe.
Mentale Beschäftigung: Das Nagen verhindert Langeweile, senkt den Stresspegel und beugt Unarten wie dem Beknabbern von Stallgassen oder Zäunen vor.
Knabberäste und Holz richtig anbieten
Beim Anbieten von Holz sollten Verletzungsrisiken minimiert und eine ergonomische Fresshaltung berücksichtigt werden:
Befestigung und Höhe: Äste können frei auf den Boden gelegt oder aufgebunden werden. Beim Aufhängen ist darauf zu achten, dass das Holz nicht zu hoch angebracht wird. Eine dauerhaft zu hohe Kopfhaltung belastet die Hals- und Rückenmuskulatur.
Knabberketten für den Paddock: Größere Holzstücke sollten nicht lose auf dem Boden liegen, um ein Stolpern oder Festtreten zu verhindern. Locht man dicke Holzscheiben mittig auf und fädelt sie auf ein stabiles Seil, entsteht eine vertikal hängende Knabberkette.
Sicherheit prüfen: Das verwendete Holz darf keine spitzen oder scharfen Splitter aufweisen. Dornenreiche Pflanzen sollten wegen des Verletzungsrisikos an den Nüstern und Augen gemieden werden.
Welche Holzarten eignen sich für Pferde?
Nicht jedes Holz ist für Pferde verträglich. Einige Baum- und Straucharten enthalten toxische Inhaltsstoffe, die schwere Vergiftungen oder Organschäden auslösen können.
Ungiftige und gesunde Holzarten:
Obstbäume: Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume (ungespritzt) Laubbäume: Weide, Birch, Haselnuss, Erle, Ulme, Pappel
Sträucher: Brombeerstrauch (dornenarm), Flieder
Giftige Holzarten (nicht verfüttern!):
Bestimmte Ahornarten: Insbesondere Berg-Ahorn und Eschen-Ahorn enthalten das Toxin Hypoglycin A, das die tödliche Atypische Weidemyopathie auslöst. (Feld-Ahorn und Spitzahorn gelten hingegen als ungiftig).
Garten- und Nadelgehölze: Buchsbaum, Eibe, Thuja (Lebensbaum), Efeu, RhododendronWeitere Giftgehölze: Eiche (hoher Tanningehalt), Buche, Robinie (Scheinakazie), Ginster, Roßkastanie, Walnuss
Sicherheitshinweis:
Bei Unklarheiten bezüglich der Baumsorte sollte das Holz nicht verfüttert werden. Eine exakte Bestimmung durch Fachpersonal (z. B. Förster oder Gärtner) stellt sicher, dass nur unbedenkliche Gehölze auf den Paddock gelangen.