Die Körpersprache der Pferde:
So liest Du die Gestik Deines Pferdes richtig
Pferde sprechen nicht im eigentlichen Sinne mit uns – und dennoch sind sie wahre Meister der Kommunikation. Sie können sich unglaublich präzise ausdrücken und uns genau sagen, wie sie sich fühlen. Wir müssen ihnen einfach nur richtig zuhören. Während wir uns im letzten Beitrag die feine Mimik im Gesicht angesehen haben, dreht sich heute alles um die große Gestik. Erfahre hier, was Dir Kopf, Hals, Schweif und Beine Deines Pferdes verraten!
Die Bedeutung der Körpersprache in der Pferdewelt
Pferde haben keine komplexe Lautsprache wie wir Menschen. Sie wiehern zwar ab und zu, doch das ist eine eher unpräzise Form der Verständigung. Wer sich schon einmal mit Wildpferden beschäftigt hat, weiß sogar, dass diese in freier Wildbahn so gut wie nie wiehern. Für sie wäre das viel zu gefährlich, da Raubtiere so sofort auf die Herde aufmerksam würden. Deshalb ist die Körpersprache für Pferde das Kommunikationsmittel Nummer eins.
Kopf und Hals: Der Barometer für Entspannung und Stress
Die Haltung des Kopf- und Halsbereichs ist ein unmissverständliches Indiz für die aktuelle Stimmung Deines Pferdes:
Der gesenkte Kopf: Eine tiefe Kopfhaltung mit lockerer Halsmuskulatur ist ein sicheres Zeichen für ein tiefenentspanntes Pferd. Da das Sichtfeld in dieser Position eingeschränkt ist, zeigt es Dir, dass sich das Pferd absolut sicher und wohlfühlt. Ein toller Trainings-Tipp: Das Absenken des Kopfes setzt im Pferdegehirn entspannende Hormone frei. Wenn Du Deinem Pferd beibringst, den Kopf auf Kommando zu senken, hast Du ein geniales Werkzeug, um es in stressigen Situationen effektiv zu beruhigen!
Der hoch erhobene Kopf: Ein starr nach oben gestreckter Kopf mit angespanntem Hals signalisiert höchste Aufmerksamkeit, Nervosität oder Angst. Das Pferd versucht, sich einen maximalen Überblick zu verschaffen, um potenzielle Gefahren rechtzeitig zu erkennen und die Flucht einzuleiten.
Die normale Haltung: Trägt Dein Pferd den Kopf auf normaler Höhe, ist es freundlich, aufmerksam und neugierig an seiner Umgebung interessiert, ohne dabei gestresst zu sein.
Der Schweif: Viel mehr als nur eine Fliegenklatsche
Der Schweif verrät unheimlich viel über den mentalen Zustand, aber auch über eventuelle körperliche Blockaden Deines Pferdes:
Locker und pendelnd: Im Idealfall hängt der Schweif locker und mittig herab. Die Schweifrübe lässt sich leicht bewegen und der Schweif pendelt in der Bewegung harmonisch mit. Das zeigt: Dein Pferd läuft zufrieden über den Rücken und ist mental wie körperlich losgelassen.
Eingeklemmt: Drückt das Pferd die Schweifrübe fest nach unten, fühlt es sich unwohl. Ein eingeklemmter Schweif ist ein Alarmsignal für Angst, starken Stress oder körperliche Schmerzen. Tritt dies häufiger auf, solltest Du unbedingt einen Tierarzt oder Physiotherapeuten hinzuziehen.
Leicht erhöht: Beim Reiten kann ein leicht angehobener Schweif für gute Rückentätigkeit stehen. Zieht das Pferd den Schweif jedoch auch im Stehen ohne Reiter permanent hoch, kann das auf schmerzhafte Verspannungen im Rücken oder Fehlstellungen im Becken hindeuten.
Hochgedreht (Fahne): Wird der Schweif steil nach oben getragen – wie man es oft von Arabern kennt –, steht das Pferd unter großer Erregung und positiver wie negativer Spannung. Das sieht man häufig bei ausgelassenem Toben auf der Koppel.
Die Beine: Klare Signale von Entlastung bis Abwehr
Als Lauftiere nutzen Pferde ihre Beine natürlich auch ganz intensiv, um sich mitzuteilen:
Das Hinterbein anheben: Wenn ein Pferd mit dem Hinterbein droht oder sogar gezielt austritt, ist das meist eine instinktive Abwehr- oder Schreckreaktion. Es kann aber auch ein klares Zeichen von Unmut sein – etwa beim Satteln, bei einer schmerzhaften Berührung oder einer Hilfe, die es nicht versteht.
Das Hinterbein anwinkeln: Bitte verwechsle das Drohen nicht mit dem entspannten Entlasten! Ruht ein Hinterhuf locker auf der Vorderkante, während das Bein angewinkelt ist, schläft oder entspannt Dein Pferd gerade einfach nur.
Scharren mit den Vorderbeinen: Scharrt Dein Pferd mit den Hufen auf dem Putzplatz oder vor der Fütterung, ist das ein eindeutiges Zeichen für Ungeduld. Die Übersetzung lautet: „Beeil Dich mal, mir dauert das hier zu lange!“
Ausschlagen mit dem Vorderbein: Dies ist meist eine resolute Abwehrreaktion. Pferde nutzen dieses Verhalten untereinander, um sich zu imponieren oder um aufdringliche Artgenossen auf Abstand zu halten.
Fazit: Das Gesamtbild im Auge behalten
Um Dein Pferd wirklich zu verstehen, musst Du nicht jedes Körperteil isoliert betrachten. Achte auf das Zusammenspiel und den Gesamteindruck der Körperhaltung. Macht das Pferd einen weichen, runden Eindruck oder wirkt es steif und hölzern? Verlass Dich dabei ruhig auch auf Deine Intuition! Je öfter Du Dein Pferd einfach nur auf der Koppel oder im Paddock in seinem Alltag beobachtest, desto schneller reicht Dir in Zukunft ein einziger, flüchtiger Blick, um zu wissen, wie es ihm heute geht.