Mimik der Pferde

Mimik – Dein Pferd spricht mit Dir!

So liest Du sein Gesicht richtig

Einem Menschen sehen wir in der Regel ziemlich schnell an, wie es ihm geht. Seine Mimik verrät uns im Handumdrehen, was in ihm vorgeht. Doch nicht nur wir Menschen, auch unsere Pferde drücken sich ganz intensiv über ihr Gesicht aus. Wer die feinen Signale zu deuten weiß, kann seinem Vierbeiner buchstäblich an der Nasenspitze ansehen, wie er gestimmt ist. In diesem Artikel erfährst Du, worauf Du bei Ohren, Augen und Maul genau achten musst.

Die Ohren: Weit mehr als nur „vorne“ oder „hinten“

Dass ein Pferd schlecht gelaunt oder aggressiv ist, wenn es die Ohren flach anlegt, hat wohl jeder schon einmal gehört. Doch die Ohren sind ein echter Stimmungsbarometer und verraten noch viel mehr:

Freundliche Aufmerksamkeit: Die Ohren sind locker und entspannt nach vorne auf eine Person, einen Gegenstand oder ein anderes Pferd gerichtet.

Gespannte Nervosität: Sind die Ohren starr nach vorne fixiert und der ganze Pferdekörper wirkt wie eingefroren, ist das anvisierte Objekt Deinem Pferd nicht geheuer. Es steht unter innerer Anspannung.

Neugieriges Scannen: Bewegen sich die Ohren entspannt hin und her, scannt das Pferd einfach aufmerksam seine Umgebung. Sind die Bewegungen jedoch hektisch und zuckend, signalisiert das Pferd Unruhe und Unwohlsein.

Konzentration statt Aggression: Leicht angelegte Ohren können ein Zeichen für Unterwerfung sein. Aber Vorsicht vor einem weitverbreiteten Irrglauben: Eng angelegte Ohren bedeuten nicht immer Aggressivität! Gerade bei der Boden- oder Freiarbeit legen viele Pferde die Ohren an. Hier drohen sie uns nicht, sondern bringen lediglich ihre tiefe Konzentration zum Ausdruck.

Die Augen: Der wahre Spiegel der Pferdeseele

Der Ausdruck der Augen spiegelt deutlich wider, wie es im Inneren Deines Pferdes aussieht. Schau Deinem Vierbeiner in verschiedenen Situationen einmal ganz genau in die Augen:

Wenn Dein Pferd zufrieden ist, blickt es offen und ruhig in die Welt oder döst mit halb geschlossenen Lidern. Angst oder pure Panik erkennst Du sofort daran, dass die Augen weit aufgerissen werden – manchmal so weit, dass das Weiße des Auges (die Sklera) zu sehen ist.

Wichtige Ausnahme: Manche Pferde (wie z. B. Appaloosas oder einige Ponys) haben von Natur aus einen weißen Ring um die Pupille. Das ist eine anatomische Besonderheit und kein Zeichen für Dauerstress!

Ein echtes Warnsignal für Stress, Schmerzen oder Sorgen ist die sogenannte Sorgenfalte über dem Auge. Das Pferd zieht dabei die Haut über dem Auge so zusammen, dass das Lid eine charakteristische, dreieckige Falte bildet. Wirkt der Blick Deines Pferdes zudem trüb und nach innen gekehrt, hat es mit hoher Wahrscheinlichkeit Schmerzen und Du solltest einen Tierarzt oder Therapeuten um Rat fragen.

Die Maulpartie: Was Lippen und Nüstern verraten

Neben Augen und Ohren ist der Bereich rund um das Pferdemaul extrem aussagekräftig. Sind die Nüstern weich und die Lippen entspannt, ist es meistens auch das restliche Pferd.

Angespannte Lippen hingegen sind ein deutliches Zeichen für inneren Stress. Das kannst Du besonders gut an der Unterlippe prüfen: Ist sie locker, lässt sie sich ganz leicht mit dem Finger hin und her bewegen. Eine feste, zusammengekniffene Unterlippe steht unter enormer Muskelspannung. Gerade bei sehr introvertierten Pferden, die ihren Stress herrunterschlucken, ist diese feste Maulpartie oft das einzige Anzeichen von Überforderung!

Ist Dein Pferd aufgeregt oder wittert eine potenzielle Gefahr, bläht es die Nüstern auf. So nimmt es Gerüche besser wahr und pumpt gleichzeitig mehr Sauerstoff in die Lungen, um im Ernstfall blitzschnell flüchten zu können. Manche Pferde atmen dann so heftig, dass ein richtig trompetendes Schnorcheln entsteht. Und wenn Dein Pferd flehmt – also die Oberlippe nach oben stülpt und den Hals streckt –, hat es einfach einen besonders interessanten Geruch in der Nase, den es über das Jacobsohnsche Organ genauer untersuchen möchte.

Fazit: Schau Deinem Pferd ins Gesicht!

Die Mimik unserer Pferde ist unheimlich ausdrucksstark, wenn wir erst einmal gelernt haben, auf die feinen Details zu achten. Nimm Dir im Stallalltag bewusst die Zeit, das Gesicht Deines Pferdes zu beobachten. Je besser Du seine Mimik verstehst, desto feiner und harmonischer wird Eure Kommunikation!

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