Mit Horsemanship besser reiten

Vom Knotenhalfter in den Sattel:

Wie Natural Horsemanship das Reiten verbessert

Auf den ersten Blick wirken klassisches Reiten und Natural Horsemanship Training wie zwei verschiedene Welten: Während beim Reiten die körperliche Gymnastizierung, Rittigkeit und das Ausführen von Hilfen im Fokus stehen, erinnert das Horsemanship-Training am Boden oft eher an ein interaktives Spiel zwischen Mensch und Pferd.

Gutes, pferdegerechtes Reiten hat jedoch unabhängig von der Reitweise dasselbe Ziel: eine harmonische Partnerschaft, die auf gegenseitigem Vertrauen und möglichst unsichtbaren Hilfen basiert. Wer Methoden aus dem Natural Horsemanship in das alltägliche Reittraining integriert, profitiert auf allen Ebenen von einer verfeinerten Kommunikation.

Hilfen verfeinern und die Körpersprache nutzen

Das primäre Ziel des Natural Horsemanship ist der Aufbau einer klaren, gewaltfreien Kommunikation. Das Pferd lernt am Boden, auf die Körpersprache des Menschen zu achten und feine Impulse wahrzunehmen.

Wird diese Kommunikationsbasis am Boden gefestigt, lässt sich das Gelernte mühelos in den Sattel übertragen:

Fokus auf feine Signale: Reitende lernen, mit minimalen Gewichts- und Schenkelhilfen oder Veränderungen der eigenen Körperspannung punktgenau zu kommunizieren.

Proaktives Mitdenken: Das Pferd hat gelernt, feinen Signalen aufmerksam zuzuhören und eigenständig darauf zu reagieren.

Leichtigkeit statt Kraft: Physische Einwirkung und übermäßiger Zügeldruck werden überflüssig. Das Reitgefühl gewinnt an Leichtigkeit und Durchlässigkeit.

Freude an der Arbeit: Abwechslung und Motivation schaffen

Motivationsprobleme unter dem Sattel entstehen häufig durch Monotonie oder Missverständnisse. Wenn ein Pferd im Reitunterricht stets die gleichen Linien und Aufgaben wiederholen muss, verliert es schnell das Interesse.

Natural Horsemanship bringt frischen Wind in den Trainingsalltag:

Sinnstiftende Aufgaben: Das Überwinden von Hindernissen, das gezielte Weichen vor Druck oder das Lösen kleiner Aufgaben am Boden machen für das Pferd Sinn und stärken das Selbstbewusstsein.

Transfer in den Sattel: Das Prinzip der unmittelbaren Belohnung (Pause und Lob nach einer gut gelösten Aufgabe) lässt sich beim Reiten auf jedem Ausbildungsstand anwenden. Ob beim Anreiten junger Pferde oder bei fortgeschrittenen Lektionen: Ein rechtzeitiges Nachgeben vermittelt dem Pferd stets ein positives Feedback.

Ob dabei mit negativer Verstärkung (Druck und gezieltes Nachgeben) oder positiver Verstärkung (Lob, Futterlob) gearbeitet wird, ist zweitrangig – entscheidend ist, dass das Pferd einen direkten Mehrwert in der Zusammenarbeit erkennt. Eine durchdachte Kombination beider Ansätze erweist sich in der Praxis meist als besonders effektiv.

Neue Herangehensweisen bei Trainingsproblemen

Stockt der Fortschritt bei einer bestimmten Übung unter dem Sattel, führt wiederholtes Durchreiten selten zum Erfolg. Hier bietet das Horsemanship-Training wertvolle Lösungsansätze:

Isolierte Steuerung: Am Boden wird gelernt, jedes Körperteil des Pferdes (Vorhand, Hinterhand, Schulter) einzeln und punktgenau zu bewegen.

Lektionen aufschlüsseln: Komplexe Übungen unter dem Sattel lassen sich in kleine Teilkomponenten zerlegen und zunächst am Boden erarbeiten, bevor sie geritten zusammengesetzt werden.

Durch diesen Perspektivwechsel lassen sich Missverständnisse abbauen und Blockaden im Reittraining stressfrei lösen.

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