HowTo: So bringst Du Deinem Pferd das entspannte Anbinden bei
Sicher angebunden stehen
Viele Reitende setzen voraus, dass sich jedes Pferd problemlos anbinden lässt. Wurde dies nicht bereits im Fohlenalter schrittweise geübt, kann der Zustand des Fixiertseins beim Pferd als Fluchttier jedoch massive Panik auslösen.
Versucht ein Pferd, sich mit voller Kraft loszureißen, halten Halfter, Stricke und Haken der enormen Belastung oft nicht stand. Um Unfälle und kaputtes Equipment zu vermeiden, muss dem Pferd das Nachgeben auf Druck gewaltfrei und systematisch vermittelt werden.
Schritt 1: Das freie Stehen festigen
Grundvoraussetzung für das Anbinden ist, dass das Pferd gelernt hat, auf Signal hin ruhig an einem Ort zu verharren. Bevor Zug auf das Halfter gebracht wird, sollte das freie Stehen auf dem Putzplatz oder in der Halle ohne körperliche Fixierung verlässlich funktionieren.
Schritt 2: Nachgeben auf Druck im Genick erlernen
Ein Pferd stemmt sich bei Zug am Halfter intuitiv mit Gegendruck dagegen (Oppositionsreflex). Dieser Reflex muss durch gezieltes Training überschrieben werden:
Handanlagerung im Nacken: Die Hand wird kurz hinter den Ohren im Genick aufgelegt, sodass Daumen und Finger seitlich anliegen.
Impuls geben: Ein sanfter, gleichbleibender Druck nach unten wird ausgeübt. Das Ziel ist das Absenken des Kopfes.
Sofortiges Nachgeben: Sobald das Pferd den Kopf auch nur wenige Zentimeter nach unten bewegt, wird der Druck augenblicklich weggenommen und das Pferd gelobt.
Druck halten, nicht steigern: Sucht das Pferd nach Auswegen (z. B. Hochreißen oder Zurückweichen), bleibt der Druck konstant bestehen, ohne verstärkt zu werden. Das Pferd lernt dadurch, dass nur das Nachgeben nach unten/vorne zur Druckentlastung führt.
Diese Übung wird im nächsten Schritt vom Handdruck auf das Halfter übertragen, indem leichter Zug am Strick nach unten-vorne ausgeübt wird.
Schritt 3: Wickeln statt festes Anbinden
Um Panikreaktionen in der Übergangsphase abzufangen, sollte der Strick niemals starr angebunden werden.
Schlingen um den Anbindebalken: Das Leadrope oder der Führstrick wird mehrfach um einen stabilen Balken gewickelt, anstatt einen festen Knoten zu knüpfen.
Sicherheitsventil nutzen: Gerät das Pferd in Panik und zieht nach hinten, gibt die Wicklung unter starker Zugeinwirkung langsam Seil frei. Das Pferd erfährt Widerstand, gerät aber nicht in eine ausweglose Fixierung.
Schrittweise Steigerung: Die Dauer des Stehenbleibens an der Schlinge wird langsam von wenigen Sekunden auf mehrere Minuten ausgeweitet.
Schritt 4: Hilfestellung von hinten bei Verharren
Setzt sich ein Pferd trotz ersten Trainingsfortschritten nach hinten ins Halfter, kann eine zweite Person assistieren:
Signal von hinten: Eine helfende Person positioniert sich in sicherem Abstand seitlich hinter dem Pferd und gibt über ein Trainingshilfsmittel (z. B. einen Kommunikationsstick) einen leichten Impuls in Richtung Vorwärtsbewegung.
Kombinierter Reiz: Der Impuls von hinten verdeutlicht dem Pferd, dass der Ausweg aus dem Druck im Genick im Tritt nach vorne liegt.
Sicherheitshinweis: Für die Übergangsphase im Alltag eignen sich zudem spezielle Anbindehaken mit Klett- oder Gummimechanismus (Panic Hooks), die bei extremer Belastung kontrolliert nachgeben und Verletzungen am Genick vorbeugen.
Kombinierte Zäumungen
Modern gefertigte Zäumungen bieten oft modulare Lösungen. Sie verbinden beispielsweise die Ringe eines Sidepulls mit den Schnallen eines Kappzaums oder besitzen zusätzliche Ortsriemen zur Aufnahme eines Gebisses. Solche Hybride erleichtern die schrittweise Umstellung zwischen Gebiss- und gebissloser Führung.