Reiten im Winter
Kreatives Training ohne Reithalle und Reitplatz
So ganz ohne Halle oder Reitplatz ist die Arbeit mit dem Pferd im Winter manchmal eine echte Herausforderung, das muss ich offen zugeben. Doch da wir aktuell weder am Wetter noch an unserer Stall-Situation etwas ändern können, machen wir einfach das Beste daraus! Wie Bella und ich die kalte Jahreszeit sinnvoll nutzen und dabei jede Menge Spaß haben, erfährst Du in diesem Beitrag.
Spaziergänge und kreative Bodenarbeit im Gelände
Wenn ich unter der Woche abends zum Stall komme, ist es meistens schon stockdunkel. Und auch am Wochenende machen mir das Wetter oder die Bodenverhältnisse oft einen Strich durch die Rechnung, wenn ich eigentlich reiten möchte. In solchen Fällen bleibt der Sattel einfach im Schrank und wir brechen zu Fuß ins Gelände auf.
Je nach Lust und Laune machen wir dann entweder einen gemütlichen Spaziergang zum Seele-baumeln-lassen oder nutzen die Zeit für effektive Bodenarbeit. Hier sind Deiner Fantasie keine Grenzen gesetzt: Von kleinen Natural Horsemanship-Übungen bis hin zu spaßigen Zirkuslektionen ist im Gelände eigentlich alles möglich.
Konzentrations- und Koordinationstraining für Dein Pferd
Gerade bei matschigem oder hart gefrorenem Boden bietet es sich an, gezielt an der Konzentration und der Koordination des Pferdes zu arbeiten. Solche schwierigen und ungewohnten Bodenverhältnisse sind eine tolle körperliche und geistige Herausforderung. Dein Pferd kann hier nicht einfach kopflos draufloslaufen, ohne auszurutschen oder zu stolpern.
Es muss sich ganz bewusst mit dem Untergrund beschäftigen. Das fördert die Konzentration und schult die Balance sowie die Trittsicherheit. Lass Deinem Pferd bei solchen Spaziergängen ruhig Zeit und gib ihm die Möglichkeit, den Boden mit der Nase und den Hufen zu untersuchen, bevor es ihn betritt.
Wichtiger Sicherheitshinweis: Bei vereisten Stellen ist natürlich extreme Vorsicht geboten. Rutscht Dein Pferd aus, besteht eine große Verletzungsgefahr für Euch beide. Sicherheit geht immer vor!
Mein Winter-Projekt:
Jedes Jahr ein neues Ziel für die Bodenarbeit
Neben der alltäglichen Beschäftigung setze ich mir für jeden Winter ein größeres Ziel, das ich gerne über die kalten, dunklen Monate hinweg mit Bella erreichen möchte.
In unserem ersten gemeinsamen Winter waren das die 7 Spiele nach Parelli.
Im darauffolgenden Jahr haben wir intensiv an der Freiarbeit gefeilt und Bella hat gelernt, auf Kommando ein „Küsschen“ zu geben. Und so gibt es jedes Jahr ein anderes Ziel.
Das Schöne an solchen Projekten ist, dass wir selbst an dunklen Abenden, an denen wir nicht mehr ins Gelände können, eine tolle Beschäftigung haben. Dafür reicht schon ein kleiner, beleuchteter Bereich auf dem Paddock, um ohne großen Aufwand ein bisschen zu tricksen.
Natürlich ist dieser Zeitrahmen nicht in Stein gemeißelt. Aktuell tut sich Bella mit dem Kompliment beispielsweise noch etwas schwer. Wenn es bis zum Frühjahr nicht perfekt klappt, ist das absolut kein Drama – dann arbeiten wir im Sommer einfach ganz entspannt weiter daran.
Reiten ohne Halle im Winter: Viiieeel Schritt und feine Hilfen
Bei matschigem oder gefrorenem Boden fallen die geliebten Trab- und Galoppstrecken im Gelände oft erst einmal weg.
Doch Not macht erfinderisch: Wir haben unser Reitprogramm einmal komplett auf den Kopf gestellt und reiten im Winter extrem viel Schritt – an manchen Tagen sogar ausschließlich. Und was soll ich sagen? Es ist genial! Ich konzentriere mich jetzt voll und ganz auf Punkte, die sonst im rasanten Alltag viel zu oft untergehen. Wir arbeiten intensiv an unseren Grundlagen und verfeinern die Hilfengebung.
Auch kleinere Dressurübungen wie Schulterherein, Schenkelweichen oder simples Biegen und Stellen baue ich jetzt viel häufiger in unsere Schritt-Runden ein als sonst. Mein Vorsatz für das nächste Frühjahr: Diese feine Detailarbeit unbedingt beizubehalten!