Reithelm ja oder nein?
Warum Schutzausrüstung beim Reiten zählt
Kaum ein Thema wird unter Reitern so leidenschaftlich diskutiert wie die Frage, ob mit oder ohne Helm geritten wird. Die einen halten das Reiten ohne Helm für verantwortungslos, die anderen sehen im Helm ein Zeichen mangelnden Vertrauens in das eigene Pferd. Fakt ist: Ein Helm ist kein Misstrauensvotum gegenüber Deinem Pferd, sondern Vorsorge für Situationen, die niemand vorhersehen kann.
Auch das bravste Pferd kann stolpern
Selbst ein gut ausgebildetes, absolut zuverlässiges Pferd ist nicht davor gefeit, in ein Erdloch zu treten, über eine Wurzel zu stolpern oder auf glattem Boden auszurutschen. Je nach Tempo können solche vermeintlichen Kleinigkeiten zu schweren Stürzen führen – im schlimmsten Fall überschlägt sich das Pferd mitsamt Reiter. Für solche Unfälle kann in der Regel niemand etwas, und sie kündigen sich selten an. Gerade im Gelände geht es oft schneller, als man denkt.
Kopfverletzungen sind besonders folgenschwer
Natürlich kannst Du Dich bei einem Sturz auch an Armen, Beinen oder Schultern verletzen – solche Verletzungen kommen sogar häufiger vor. Ein gebrochener Arm heilt jedoch in aller Regel wieder aus. Eine schwere Kopfverletzung kann dagegen bleibende Schäden hinterlassen oder sogar tödlich enden. Genau davor schützt ein gut sitzender, geprüfter Reithelm (zum Beispiel nach EN 1384 oder VG1). Deshalb gilt die klare Empfehlung: Setze bei jedem Ritt einen Helm auf – im Gelände ebenso wie in der Halle oder auf dem Reitplatz. Erschrecken kann sich jedes Pferd.
Sicherheitsweste und Rückenprotektor
Bei Sicherheitswesten und Rückenprotektoren fällt die Abwägung etwas differenzierter aus. In riskanteren Situationen – etwa beim Anreiten junger Pferde, bei sehr frischen Pferden oder beim Geländeritt über Hindernisse – bieten sie wertvollen Schutz für die Wirbelsäule. Entscheidend ist allerdings die Passform: Ein schlecht sitzender Protektor schränkt die Bewegungsfreiheit ein, erschwert das Mitgehen in der Bewegung und kann bei einem Sturz sogar selbst Prellungen verursachen. Lass Dich daher im Fachhandel beraten und probiere verschiedene Modelle in Reitposition aus.
Tipp: So sitzt der Reithelm richtig
Ein Helm schützt nur, wenn er richtig sitzt. Er sollte waagerecht auf dem Kopf liegen, etwa zwei Fingerbreit über den Augenbrauen abschließen und auch bei offenem Kinnriemen nicht verrutschen. Den Kinnriemen stellst Du so ein, dass gerade noch ein Finger zwischen Riemen und Kinn passt. Nach einem Sturz mit Aufprall auf den Kopf solltest Du den Helm austauschen – auch wenn äußerlich keine Schäden zu erkennen sind. Ebenso empfiehlt es sich, einen Helm nach einigen Jahren Nutzung zu ersetzen, da das Material altert.
Fazit: Lieber einmal zu viel geschützt
Letztlich entscheidet jeder Reiter selbst über seine Schutzausrüstung. Doch der Zufall fragt nicht danach, wie gut Dein Pferd ausgebildet ist. Ein Helm kostet wenig Aufwand und kann im Ernstfall Schlimmeres verhindern – deshalb gehört er zu jedem Ritt dazu. In riskanten Situationen ergänzt ein gut passender Rückenprotektor den Schutz sinnvoll. Denn was am Kopf oder an der Wirbelsäule einmal beschädigt ist, lässt sich oft nicht wieder reparieren.