Rückenprobleme beim Pferd:
Anzeichen erkennen und Ursachen verstehen
Der Rücken ist einer der empfindlichsten und zugleich wichtigsten Bereiche des Pferdekörpers. Hat ein Pferd hier Schmerzen, wirkt sich das auf den gesamten Bewegungsapparat aus – an gesundes Reiten ist dann nicht zu denken. Rückenprobleme können zudem die Ursache vieler Schwierigkeiten im Umgang und unter dem Sattel sein. Woran Du erkennst, ob Dein Pferd Rückenprobleme hat, und woher sie kommen können, erfährst Du in diesem Beitrag.
Woran erkenne ich Rückenprobleme beim Pferd?
Rückenschmerzen äußern sich bei Pferden sehr unterschiedlich. Manche zeigen ihre Beschwerden erst unter dem Sattel, andere bereits im alltäglichen Umgang. Leider werden die Anzeichen oft nicht erkannt oder als Unwillen fehlgedeutet. Deshalb sollte der Rücken auch bei Problemen, die zunächst nichts damit zu tun zu haben scheinen, als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden.
Mögliche Hinweise sind zum Beispiel: Lahmheiten ohne klaren Befund, Unwillen beim Hufegeben, eine auffällig weit nach hinten gestellte Hinterhand, schleifende Hinterbeine, ein schief gehaltener oder eingeklemmter Schweif sowie ein allgemeiner Verlust an Bewegungsfreude.
Deutlicher wird es, wenn das Pferd empfindlich auf Berührung im Rückenbereich reagiert. Ein einfacher Test: Fahre mit zwei Fingern links und rechts entlang der Wirbelsäule und beobachte die Reaktion. Ein kurzes Zucken kann eine normale Reaktion auf die Berührung sein. Weicht das Pferd jedoch wiederholt nach unten aus oder federt nicht gleich zurück, schmerzt die Berührung vermutlich.
Auch die Mimik verrät viel: Ein typisches Schmerzgesicht zeigt sich durch angespannte Lippen und Kaumuskulatur, Sorgenfalten über den Augen und angespannt nach hinten gerichtete Ohren.
Wie wirken sich Rückenprobleme beim Reiten aus?
Besonders unter dem Sattel werden Rückenprobleme deutlich – werden aber häufig als Ungehorsam missverstanden. Erste Abwehrreaktionen zeigen sich oft schon beim Satteln oder Aufsteigen: Das Pferd weicht aus, reißt den Kopf hoch oder versucht zu treten oder zu beißen.
Je nach Charakter reagieren Pferde unterschiedlich auf Schmerzen: Introvertierte Pferde bewegen sich möglichst wenig und gehen nicht mehr vorwärts. Extrovertierte Pferde versuchen dagegen, dem Schmerz davonzulaufen – sie buckeln oder gehen durch. Das gilt besonders, wenn Sattel oder Reitergewicht den Schmerz auslösen oder verstärken.
Auch plötzliche Rittigkeitsprobleme können auf den Rücken zurückgehen: Das Pferd hält sich im Rücken fest, schwingt nicht mehr mit, drückt Hals und Rücken weg und trägt den Kopf hoch. Es lässt sich schlecht stellen und biegen, wehrt sich gegen den Zügel, schlägt mit dem Kopf, rollt sich ein oder streckt die Zunge heraus. Das sind keine Unarten, sondern Ventile für Schmerz und Unwohlsein.
Häufige Ursachen: Ausrüstung und fehlende Gymnastizierung
Zu den häufigsten Ursachen gehören unpassende Ausrüstung und fehlende oder falsche Gymnastizierung. Vor allem ein unpassender Sattel schadet dem Rücken: Statt das Reitergewicht gleichmäßig auf die tragende Muskulatur zu verteilen, entstehen schmerzhafte Druckpunkte. Die Folgen sind Verspannungen, eine falsche Körperhaltung und langfristig ernsthafte Schäden.
Auch Gebiss oder Kopfstück können sich auf den Rücken auswirken. Stören sie das Pferd, reißt es den Kopf hoch, sperrt das Maul auf, zieht gegen die Hand oder rollt sich ein – und kann den Rücken dadurch nicht mehr aufwölben.
Nur mit aufgewölbtem Rücken kann ein Pferd den Reiter mit der Muskulatur statt mit der Wirbelsäule tragen. Die Rückenmuskulatur wird dabei von unten durch die Bauchmuskulatur unterstützt. Drückt das Pferd den Rücken dagegen weg, lastet das Reitergewicht auf der empfindlichen Wirbelsäule, die zusätzlich das Gewicht der inneren Organe trägt. Die Muskeln verkürzen und verspannen sich. Deshalb ist eine gezielte, gesunderhaltende Gymnastizierung für jedes Reitpferd unverzichtbar.
Haltung und Fütterung als Einflussfaktoren
Pferde sind Lauftiere, die sich in der Natur überwiegend fressend mit gesenktem Kopf im Schritt bewegen. In dieser Haltung wölbt sich der Rücken automatisch auf und die Bauchmuskulatur spannt sich an. Fehlt diese Bewegung, bildet sich die Muskulatur zurück und verspannt leichter. Hoch angebrachte Raufen und Futtertröge, die das Pferd dauerhaft zu einer erhobenen Kopfhaltung zwingen, belasten die Muskulatur zusätzlich falsch. Eine bewegungsreiche Haltung und eine Fütterung in natürlicher Fresshaltung fördern dagegen die Rückengesundheit.
Wenn die Ursache woanders liegt
Nicht immer liegt die Ursache im Rücken selbst. Schmerzen in Beinen, Hufen oder Schulter kompensiert das Pferd durch Schonhaltung und den Einsatz anderer Muskelgruppen. Bleiben diese Schmerzen lange unbemerkt, entstehen Fehlbelastungen, die sich fast immer auch auf den Rücken auswirken, da hier viele Muskelketten zusammenlaufen.
Bringt ein Pferd von Geburt an eine Fehlstellung mit, etwa einen Beckenschiefstand oder Fehlstellungen der Hufe, muss diese im Training besonders berücksichtigt und durch gezielte Gymnastizierung ausgeglichen werden.
Tipp: Bei Verdacht auf Rückenprobleme solltest Du immer einen Tierarzt, Physiotherapeuten oder Osteopathen hinzuziehen und die Passform von Sattel und Zäumung überprüfen lassen.