Rückenschonend aufsteigen:
So schützt Du die Wirbelsäule Deines Pferdes
Gutes und pferdegerechtes Reiten beginnt nicht erst in der Bewegung, sondern bereits vor dem Abfußen: beim Aufsteigen. Welcher Druck dabei auf den Pferderücken wirkt und wie Fehler vermieden werden, ist entscheidend für den Erhalt einer gesunden Rückenmuskulatur und einer intakten Wirbelsäule.
Die biomechanische Belastung beim Aufsteigen
Wird ohne Hilfsmittel direkt vom Boden aufgestiegen, entsteht eine starke Hebelwirkung. Das gesamte Reitergewicht lastet für mehrere Sekunden einseitig auf dem Steigbügelleder.
Scherkräfte auf die Wirbelsäule: Das Gewicht zieht die Rückenmuskulatur sowie die Dornfortsätze der Wirbelsäule zu einer Seite und verdreht den Rumpf.
Verziehen des Sattels: Der Sattel wird nach seitlich verschoben. Dies führt zu schmerzhaften Druckspitzen im Bereich des Widerrists und der Schulterblattknorpel.
Langzeitfolgen: Häufiges, ungedämpftes Aufsteigen führt langfristig zu Blockaden, Verspannungen und Trageerschöpfung.
1. Nutzung einer Aufstiegshilfe
Die effektivste Möglichkeit zur Schonung des Pferderückens ist das Aufsteigen von einer Erhöhung (z. B. einem Aufstiegssockel, einer Bank oder einer Rampe).
Druckreduzierung: Wissenschaftliche Druckmessungen zeigen, dass eine ausreichend hohe Aufstiegshilfe die einseitige Zugbelastung auf die Wirbelsäule um mehr als 50 % reduziert.
Erleichterung des Bewegungsablaufs: Die reitende Person muss sich nicht hochziehen, sondern schwingt das Bein auf Höhe des Pferderückens mühelos über die Kruppe.
2. Richtiges Gegenhalten vom Boden
Eine weitere Entlastung bietet das Gegenhalten durch eine zweite Person auf der gegenüberliegenden Seite des Pferdes.
Timing beachten: Die helfende Person legt die Hand auf den dem Aufsteigenden gegenüberliegenden Steigbügel oder den Sattelbaum und baut schrittweise Gegendruck auf.
Synchronsignal: Der Druck sollte exakt in dem Moment aufgebaut werden, in dem der Fuß im Steigbügel belastet wird. Erfolgt das Gegenhalten zu früh oder zu spät, entstehen erneut ungleiche Zugkräfte.
3. Richtige Zügel- und Handhaltung
Ein häufiger Fehler ist das Hochziehen am Sattelkranz oder am Hinterzwiesel.
Hände richtig platzieren: Die Zügel und die Mähne werden in der vorderen Hand fixiert. Die hintere Hand stützt sich auf dem Widerrist oder der Vorderzwiesel ab – keinesfalls am hinteren Bereich des Sattels.
Geschmeidiges Einsitzen: Der Körper wird mit Schwung nah am Pferdekörper nach oben geführt. Die reitende Person lässt sich langsam und kontrolliert in den Schwerpunkt des Sattels gleiten, ohne tief einzusitzen oder auf den Rücken zu fallen.
4. Beide Seiten gleichmäßig nutzen
Traditionell wird meist von der linken Seite aufgestiegen. Diese historische Praxis (unter anderem begründet durch das Tragen von Säbeln beim Militär) führt bei ausschließlicher Anwendung zu einer einseitigen Abnutzung des Equipments und ungleicher Muskelbelastung.
Abwechselnd aufsteigen: Durch regelmäßigen Wechsel zwischen linker und rechter Seite werden die Rückenmuskeln des Pferdes sowie die eigenen Bewegungsabläufe symmetrisch geschult.
Schrittweiser Aufbau: Das Aufsteigen von rechts erfordert bei den meisten Reitenden zunächst etwas Übung, um die nötige Koordination und Balance aufzubauen.