Spiel-Spaziergang mit Pferd

Der Spiel-Spaziergang:

Kreative Ideen für das Training im Gelände

Gerade im Winter, wenn das Wetter ungemütlich ist und die Bodenbeschaffenheit auf dem Reitplatz nicht gerade zum Reiten einlädt, ist das Spazierengehen mit Pferd eine großartige Alternative. Allerdings kann es auf Dauer auch ziemlich langweilig werden, und seien wir ehrlich: Der echte Trainingseffekt bleibt meistens auf der Strecke, wenn Ihr immer nur im gemütlichen Schlenderschritt durch die Gegend bummelt.

Um Deine Spaziergänge kreativer zu gestalten und wie nebenbei ein sinnvolles Geländetraining einzubauen, kannst Du unterwegs verschiedene Übungen einbinden. Das bringt nicht nur Abwechslung in Euren Alltag und fordert den Pferdekopf, sondern macht auch noch richtig Spaß! Welche Übungen sich perfekt für unterwegs eignen und wie Du die natürlichen Gegebenheiten im Gelände clever einbeziehen kannst, erfährst Du in diesem Beitrag.

Natur-Hindernisse clever nutzen:
Ideen für Deinen Spaziergang

Baumstämme am Wegesrand

Gefällte Baumstämme liegen in den Wäldern oft in großer Zahl direkt am Wegesrand. Sie bieten quasi überall eine tolle Möglichkeit, um mit Deinem Pferd das seitliche Einparken (zum Beispiel an einer gedachten Aufstiegshilfe) zu üben.

Außerdem eignen sich Baumstämme genial für das Target-Training: Dein Pferd kann sie mit der Nase anstupsen oder vielleicht sogar mutig einen Vorderhuf darauf abstellen. Auch als optische Begrenzung für Seitengänge (Sideways-Game) oder für halbe Zirkel sind liegende Stämme perfekt. Übungen wie das Jojo-Game kannst Du zur Abwechslung mal im Sitzen von der erhöhten Stamm-Position aus steuern.

Hügel, Böschungen und Gräben

An Hügeln und Gräben kannst Du im Grunde so ziemlich alles abfragen, was auch auf ebenen Flächen möglich ist. Der abschüssige oder ansteigende Untergrund ist hierbei eine tolle koordinative Herausforderung für Dein Pferd.

Probiert doch mal Zirkel am Hang, verschiedene Kombinationen aus Vorwärts- und Rückwärtsrichten, feine Seitengänge oder bewusste Gangartwechsel am Hügel aus. Auch die bekannten Sieben Spiele nach Parelli bekommen am Hang einen ganz neuen Schwierigkeitsgrad. Lass Dich überraschen: Oft entwickeln Pferde an solchen natürlichen Hindernissen ganz eigene, kreative Ideen und bieten von sich aus tolle Lösungen an!

Hecken, Zäune und sonstige Begrenzungen

Natürliche Begrenzungen wie dichte Hecken, Koppelzäune oder Mauern sind unterwegs ein genialer Ersatz für die Bande in der Reithalle. Sie dienen Dir und Deinem Pferd als optische Orientierung bei Seitengängen oder als perfekter Engpass für das Squeeze-Game (das Engpass-Spiel).

Beobachtungs-Tipp: Reagiert Dein Pferd beim Schicken durch einen Engpass unterschiedlich, je nachdem, ob die Begrenzung aus einer weichen Hecke oder einem festen Holzzaun besteht? Probiere es unterwegs einfach mal ganz in Ruhe aus!

Pfützen und Bäche

Wasserstellen – egal ob eine riesige Regenpfütze auf dem Waldweg oder ein kleiner, flacher Bach – sind natürlich prädestiniert dafür, das Durchqueren von Wasser an sich zu üben. Doch Du kannst das Wassertraining noch viel kreativer gestalten! Kann Dein Pferd zum Beispiel ganz ruhig im Wasser stehen bleiben, während Du am Rand wartest? Oder schaffst Du es, Dein Pferd so präzise zu steuern, dass es gezielt nur einzelne Hufe ins Wasser stellt, während die anderen trocken an Land bleiben?
 

Bänke, Mauern und Erhöhungen

Lass Dir den Spaß an Deinem Pferd und Eurer gemeinsamen Zeit also nicht vom Wetterbericht verderben. Schnapp Dir Deine wärmste Jacke und nutze die ungemütlichen Tage gezielt, um mal etwas Abwechslung in Euren Stallalltag zu bringen und Eure Bindung auf ein ganz neues Level zu heben.An Erhöhungen jeder Art, auf die Du Dich selbst sicher und rutschfest draufstellen kannst (wie eine stabile Parkbank oder eine flache Mauer), lässt sich das Einparken des Pferdes unter erschwerten Bedingungen trainieren. Schließlich ist so etwas im Wald eine ganz andere Nummer als zu Hause am gewohnten Putzplatz! Versuche auch hier mal, die Sieben Spiele aus einer erhöhten Position heraus zu spielen. Manche Pferde reagieren augenblicklich ganz anders, wenn sich die gewohnte Position des Menschen verändert und man plötzlich „über“ ihnen steht.

Gymnastizierung und Koordination auf der Strecke

Steile Wege als Muskel-Booster

Steil ansteigende oder abfallende Wege eignen sich hervorragend, um die Hinterhand und die Core-Muskulatur Deines Pferdes effektiv zu trainieren. Dafür brauchst Du gar keine komplizierten Lektionen: Einfache Übungen wie punktgenaues Anhalten, kurzes Rückwärtsrichten und kraftvolles Antreten bewirken schon Wunder.

Auch Schritt-Trab-Übergänge sind auf steilen Wegen gleich doppelt so anstrengend – und das übrigens nicht nur für Dein Pferd, sondern auch für Deine eigene Fitness! Eine tolle Koordinationsübung ist die bewusste Gewichtsverlagerung im Halten am Hang. Wichtig: Teste das bitte erst auf einem geraden Wegstück, bevor Du den Schwierigkeitsgrad durch die Steigung erhöhst.

Markante Wegpunkte für Zirkuslektionen nutzen

Ein besonders dicker, alter Baum, ein auffälliger Zaunpfahl oder eine einsame Wegkreuzung – nutze solche markanten Punkte im Gelände als feste „Anlaufstellen“ für kleine Abfragen. Überlege Dir für jeden Punkt eine bestimmte Lektion, wie das synchrone Kopfschütteln, „Küßchen geben“ oder das gemeinsame Winken. Natürlich müssen es keine Zirkuslektionen sein; auch gymnastizierende Übungen wie das Übertretenlassen oder ein kurzes Touch an ein Schild sind eine tolle Beschäftigung fürs Pferd.

Über Stock und Stein: Trittsicherheit schulen

Im Gelände finden wir die unterschiedlichsten Untergründe: von geteerten Wirtschaftswegen über tiefen Sand, harten Schotterboden bis hin zu raschelndem Laub und weicher Walderde. Lass Dein Pferd ganz bewusst auf diesen verschiedenen Böden laufen und beobachte genau, wie es sich ausbalanciert. So lernt Dein Pferd, auf seine eigenen Füße aufzupassen, schult seine Trittsicherheit und verbessert seine allgemeine Balance auf jedem Terrain.

Fazit: Lass Deiner Fantasie freien Lauf!

Das wichtigste Werkzeug bei einem gelungenen Spiel-Spaziergang ist Deine eigene Kreativität. Geh mit offenen Augen durch die Natur, suche nach Möglichkeiten und nutze sie spielerisch. Wo kann sich Dein Pferd überall sicher vorbei-, drunter durch- oder drüberdrücken? Stehen im Dorf vielleicht Blumenkübel oder Poller, um die Du Dein Pferd im Slalom oder in einer schönen Acht schicken kannst? Welche Muster und Übungen beherrscht Ihr von zu Hause, denen Ihr im Gelände einen ganz neuen, spannenden Anstrich verpassen könnt?

Mach den nächsten Spaziergang zu Eurem ganz persönlichen Abenteuerspielplatz!

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