Stimmkommandos beim Pferd:
So setzt Du Deine Stimme im Training sinnvoll ein
Sollte man im Pferdetraining mit Stimmkommandos arbeiten oder besser nicht? Richtig eingesetzt sind sie eine wertvolle Ergänzung zu Körpersprache und den übrigen Hilfen – und im Alltag äußerst praktisch. Dabei gilt: Stimmkommandos unterstützen die anderen Hilfen, ersetzen sie aber nicht. Ohne Vorbereitung können sie Pferde sogar verwirren. In diesem Beitrag erfährst Du, worauf es ankommt.
Alltagsgespräch oder Stimmkommando?
Viele Pferdebesitzer reden gern und viel mit ihrem Pferd – bei der Begrüßung, beim Putzen oder auf dem Weg von der Koppel. Das ist grundsätzlich kein Problem. Schwierig wird es erst, wenn das Pferd das alltägliche Plaudern von einem Stimmkommando unterscheiden soll. Während das Plaudern für das Pferd keine Bedeutung hat, ist ein Stimmkommando eine gezielte Aufforderung, auf die eine Reaktion erwartet wird.
Bewährt hat sich, das Plaudern weitgehend auf die Zeit außerhalb des Trainings zu beschränken und die Stimme während der Arbeit gezielt für Kommandos und Lob einzusetzen. Zusätzlich unterscheiden sich Kommando und Lob durch Stimmlage und Körperhaltung: Kommandos werden deutlich und auffordernd gesprochen und mit Körperspannung sowie unterstützenden Gesten gegeben. Gelobt wird dagegen mit leiser, ruhiger Stimme, wenig Körperenergie und gern mit Streicheln oder Kraulen. Gerade sensible Pferde schätzen ein ruhiges Lob meist mehr als überschwänglichen Jubel.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Auf dem Weg von der Koppel soll das Pferd kurz stehen bleiben. Du unterbrichst das Plaudern, baust Körperspannung auf – für das Pferd das Signal „Achtung, jetzt möchte ich etwas von Dir“ – und gibst im klaren Kommandoton die Anweisung „Steh!“, unterstützt durch einen erhobenen Zeigefinger. Bleibt das Pferd stehen, folgen Lob und die Auflösung des Kommandos.
Stimmkommandos sind nicht selbstverständlich
Wir Menschen kommunizieren vor allem über Sprache und erwarten ganz selbstverständlich, dass auf eine Anweisung eine Reaktion folgt. „Komm!“, „Steh!“, „Brrr!“ oder „Galopp!“ sind für uns eindeutig – für Pferde aber nicht.
Pferde kommunizieren überwiegend über Körpersprache und müssen erst lernen, dass bestimmte Laute eine Bedeutung haben. Davon auszugehen, dass ein Pferd Kommandos ohne Training versteht, ist nicht nur wenig erfolgversprechend, sondern auch unfair. Jedes Stimmkommando muss daher sorgfältig aufgebaut werden.
So bringst Du Deinem Pferd ein Stimmkommando bei
Am einfachsten verknüpfst Du ein neues Stimmkommando mit einer Übung, die Dein Pferd bereits über Körpersprache kennt – zum Beispiel das Antraben auf dem Zirkel an der Longe oder in der Bodenarbeit:
Schritt 1: Schicke Dein Pferd auf einen Zirkel und bringe es mithilfe Deiner Körpersprache zum Antraben.
Schritt 2: Sprich unmittelbar vor der ersten körpersprachlichen Hilfe das Kommando, zum Beispiel „Te-rab!“.
Schritt 3: Reagiert Dein Pferd noch nicht, setze wie gewohnt Deine Körpersprache ein und wiederhole das Stimmkommando bei jeder Steigerung der Hilfe.
Schritt 4: Nach und nach verknüpft Dein Pferd das Kommando mit dem Antraben und reagiert schließlich auch auf das Stimmkommando allein. Lobe jede richtige Reaktion sofort.
Achtung, Verwechslungsgefahr!
So hilfreich Stimmkommandos sind, sie bergen ein Risiko: Nicht alle Reiter verwenden für dieselbe Aufgabe dasselbe Kommando. Das bekannte „Brrr!“ bedeutet für die meisten Pferde „langsamer“ oder „Halt“ – manche Pferde, etwa aus der Westernreiterei anderer Länder, haben damit jedoch das Antraben gelernt. Bei gemeinsamen Ausritten, einem Besitzerwechsel oder fremden Pferden kann das zu Missverständnissen führen, die im harmlosen Fall amüsant, im ungünstigsten Fall gefährlich sind. Kläre daher bei fremden Pferden ab, welche Kommandos sie kennen.
Bewährte Stimmkommandos im Überblick
Wenn Du mit Stimmkommandos arbeiten möchtest, kann Dir diese Übersicht als Orientierung dienen:
Schnalzen: schneller werden, in eine höhere Gangart wechseln, mehr Energie
„Brrr!“: langsamer werden, in eine niedrigere Gangart durchparieren
„Easy!“: innerhalb der Gangart langsamer werden, weniger Energie
„Ruhig!“: Ruhe und Entspannung
„Komm!“: herankommen, folgen
„Zurück!“: rückwärtsgehen
„Huf!“: das Bein anheben, neben dem Du stehst oder das Du antippst
„Feierabend!“: Entlassung, zum Beispiel nach der Arbeit oder auf der Koppel
Welche Worte Du wählst, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass Du Deine Kommandos immer gleich, eindeutig und in Kombination mit den passenden Hilfen verwendest.