Nervöses Pferd beruhigen:

Mit diesen vier Schritten vermittelst Du Deinem Pferd Ruhe

Ein Sturm, ein ungewohnter Ort, ein flatterndes Plakat: Manche Situationen überfordern selbst gut ausgebildete Pferde. Besonders sensible Pferde brauchen dann einige Zeit, um die Eindrücke zu verarbeiten und wieder herunterzufahren. Ob Dein Pferd in solchen Momenten kopflos reagiert oder Halt bei Dir sucht, hängt stark davon ab, wie Du Dich verhältst. Mit den folgenden vier Schritten hilfst Du Deinem Pferd, eine stressige Situation zu bewältigen – und stärkst ganz nebenbei Euer Vertrauensverhältnis.

1. Ruhig bleiben

Das Wichtigste zuerst: Bleib selbst ruhig. Pferde spüren Anspannung sofort. Bist Du nervös oder unsicher, bestätigt das Dein Pferd darin, dass tatsächlich Gefahr droht – es kann ja nicht wissen, dass vielleicht sein eigenes Verhalten der Grund für Deine Unruhe ist. Merkst Du, dass Dich die Nervosität ansteckt, atme ein paar Mal bewusst tief in den Bauch. Hilft das nicht, summe oder singe ein Lied. Das klingt ungewöhnlich, wirkt aber: Du konzentrierst Dich auf Melodie und Atmung, entspannst Dich dadurch automatisch, und der gleichmäßige Rhythmus überträgt sich oft auch auf Dein Pferd – am Boden ebenso wie im Sattel.

2. Bewegung zulassen

Pferde sind Fluchttiere. In Stresssituationen schüttet ihr Körper Adrenalin aus: Herzschlag und Blutdruck steigen, der Körper bereitet sich auf die Flucht vor. Deshalb können aufgeregte Pferde kaum stillstehen. Wer sein Pferd dann festhält, zum Stehen zwingt oder anbindet, verschlimmert die Lage meist, denn das Pferd fühlt sich in der Falle und das Stresslevel steigt weiter. Am besten baut sich Adrenalin über Bewegung ab. Gib Deinem Pferd also Raum, aber gib die Richtung vor: Führe es ruhig einen Weg auf und ab oder lass es an einem langen Seil auf einem Zirkel laufen und wechsle gelegentlich die Hand. Darf es dabei schauen, kann es sich mit der Umgebung vertraut machen. Bleibt es von selbst stehen, um etwas zu betrachten, ist das ein gutes Zeichen – lobe es dafür.

Tipp: Ist Dein Pferd so aufgeregt, dass es Dich kaum noch wahrnimmt, helfen häufige, zügige Richtungswechsel beim Führen am lockeren Strick. Nach wenigen Wiederholungen achtet es von selbst darauf, bei Dir zu bleiben.

3. Konzentration auf Dich lenken

Wird Dein Pferd durch die Bewegung allein nicht ruhiger, lenke seine Aufmerksamkeit gezielt auf Dich. Je mehr es sich auf Dich konzentriert, desto weniger beschäftigt es der Auslöser seiner Nervosität. Frage dafür einfache Übungen ab, die Dein Pferd sicher kennt, etwa Weichen, Rückwärtsrichten oder Anhalten – neue Aufgaben überfordern ein aufgeregtes Pferd. Es ist völlig in Ordnung, wenn die Übungen nicht so sauber klappen wie sonst; es geht ums Sammeln, nicht um Perfektion. Alternativ kannst Du einfach Aufmerksamkeit einfordern: Solange Dein Pferd Dich anschaut und mindestens ein Ohr bei Dir hat, lässt Du es in Ruhe. Schweift es ab, holst Du es mit einem kurzen Signal, etwa einem leichten Impuls am Seil, zurück. Probiere aus, welcher Weg für Dein Pferd am besten funktioniert.

4. Loben, loben, loben

Gerade in schwierigen Situationen ist Lob besonders wichtig. Bestärke Dein Pferd bei jedem noch so kleinen Anzeichen von Entspannung: wenn es stehen bleibt, Gegenstände neugierig untersucht, den Kopf senkt, abschnaubt, die Kaumuskulatur lockert oder sich von sich aus Dir zuwendet. Letzteres zeigt, dass es Deine Unterstützung sucht – genau das möchtest Du erreichen. Wie Du die Signale Deines Pferdes noch besser deutest, erfährst Du in unseren Beiträgen zur Mimik und Körpersprache der Pferde.

Fazit: Gelassenheit ist trainierbar

Ein nervöses Pferd beruhigst Du nicht mit Druck, sondern mit Ruhe, Bewegung, Führung und Lob. Wichtig ist, flexibel zu bleiben: Ist Dein Pferd an einem Tag stark verunsichert, verzichte lieber auf das geplante Reiten und nutze die Zeit, um ihm die Situation in Ruhe näherzubringen. Langfristig hilft gezieltes Gelassenheitstraining, etwa die Desensibilisierung mit unbekannten Gegenständen. Je öfter Dein Pferd erlebt, dass es sich in schwierigen Momenten auf Dich verlassen kann, desto schneller findet es künftig zur Ruhe.

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